2004, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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ren. An einem exemplarischen Fall wird gezeigt, dass auch letztere von derzuständigen Obrigkeit nicht akzeptiert wurden.
Der abschließende bibliographische Abschnitt des Jahrbuchs bringt einenLiteraturbericht zum Fronleichnamsfest( Dritte Folge, Nr. 300-625; miteinem Register zur Fronleichnamsbibliographie) von Angelus A. HäuẞlingOSB. Der emeritierte Theologieprofessor, der seine Sammlung anlässlicheines Seminars über das Fronleichnamsfest im Wintersemester 1983/84begann, hat seinen Titeln informative Ausführungen zum Thema Fronleich-namsfest und zur einschlägigen Literatur vorangestellt. Mit diesem Beitragzur Frömmigkeitsgeschichte endet der lehrreiche und empfehlenswerte
Jahrbuch- Band.
Brigitte Emmrich
AMMERER, Gerhard: Heimat Straße. Vaganten im Österreich des An-cien Régime(= Sozial- und wirtschaftshistorische Studien des Instituts fürWirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, Bd. 29). Wien/München, Verlag für Geschichte und Politik Wien/ Oldenbourg Wissen-schaftsverlag, 2003, 565 Seiten, 13 Graphiken, 4 Tabellen, 14 Abb.
Manche Vorstellungen von der historischen ,, Wirklichkeit“ scheinen unab-hängig von ihrem konkreten Realitätsgehalt fest und unverrückbar im po-pularen Bewusstsein verankert zu sein. Dazu gehören die sozialromanti-schen Bilder von einem fröhlich- bunten Vaganten- und Zigeunerleben Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunerleben, dasdie betroffenen Individuen als Alternative zum sesshaften Leben quasigesellschaftskritisch und freiwillig gewählt hätten. Zum Ärger vieler Histo-riker widersetzen sich diese Bilder hartnäckig jedem wissenschaftlich be-gründeten Korrekturversuch. Umso verdienstvoller erscheinen dann jeneStudien, die es sich zum Ziel setzen, mit solchen historischen Klischees undTopoi aufzuräumen, Forschungslücken zu schließen und das Laienpublikummit dem zu konfrontieren, was als historische, Wahrheit mühevoll rekon-struiert wurde. Einen solchen, Erziehungsauftrag erfüllt die Arbeit desösterreichischen Historikers Gerhard Ammerer, der in seiner auf knapp 600Seiten gekürzten Habilitationsschrift ,, Heimat Straße" auf der Basis archi-valischen Materials quellenkritisch und akribisch das Leben der Vaganten,d.h. der nichtsesshaften, vom Bettel und Kleindiebstahl lebenden Bevölke-rungsschichten im Österreich des Ancien Régime untersucht. Getragen voneinem aufklärerischen Impetus und in Kenntnis der breitgefächerten For-schungsliteratur, geht Ammerer gegen die klischeehaften Bilder von einertrink- und lebensfrohen mobilen Gesellschaft an, wie sie seit Ende des