Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
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2004, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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zu schließen oder zumindest den wissenschaftlichen Nachholbedarf bewusstzu machen.

Walter Puchner

STAHL, Thomas, Rainer SCHREIBER: Regionale Netzwerke als Inno-vationsquelle. Das Konzept der ,, Lernenden Region in Europa(= CampusForschung, Bd. 868). Frankfurt am Main/ New York, Campus 2003, 243Seiten.

Seitdem die Debatte um die Globalisierung allgegenwärtig geworden ist,wird immer öfter die Frage diskutiert, welche Auswirkungen globale Pro-zesse auf politische, ökonomische und kulturelle Systeme regionalen Zu-schnitts haben und wie regionale Akteure in strukturschwachen Gebietenmit den neuen Herausforderungen umgehen können. Nicht nur wurdenBegriffe wie Innovation und Flexibilisierung popularisiert, auch das Hu-mankapital als Ressource wurde gleichsam ,, wiederentdeckt" und die( kaumals neu zu bezeichnende) Erkenntnis formuliert, dass es differenzierterQualifizierungsstrategien bedarf, um im globalen Wettbewerb Zukunftsfä-higkeit herzustellen. In diesem Zusammenhang wurden von politischenAkteuren auf nationaler und internationaler Ebene Bildungsoffensiven ini-tiiert, von denen die Formierung der Wissensgesellschaft unterstützendbegleitet werden soll. Diese Programme, die man unter dem Schlagwort,, lebenslanges Lernen subsumiert hat und die als akteursnahe Förderungenkonzipiert sind, zielen auf die Lernfähigkeit von Personen und Organisatio-nen, die durch Netzwerk- und Schnittstellenbildung erhöht werden soll.

Thomas Stahl, Professor für Human Resource Development und Be-schäftigungspolitik in Brüssel, und Rainer Schreiber, in der beruflichenWeiterbildung tätiger Soziologe, beschreiben im vorliegenden Buch jeneVersuche, mit denen Institutionen wie das bundesdeutsche BMBF und dieEU ,, Lernende Regionen( LR) schaffen wollen, ein Modell, das sich anVorstellungen der ,, Lernenden Organisation" anlehnt. Ziel der Arbeit ist es,die LR als ein Entwicklungskonzept zur Schaffung regionaler Kooperati-onsstrukturen vorzustellen, mit dem Schnittstellen zwischen differentenLebens- und Politikbereichen zu schaffen sind. Als Ergebnis erwarten dieseStrategien, regionale innovativeness implementieren zu können, was beson-ders durch eine Koproduktion von problemlösenden Instanzen in Netzwer-ken geschehen soll. Die Studie will erläutern, wie dies geschieht. Währendim ersten Kapitel( ,, Globale Herausforderungen und Strategien zu ihrerBewältigung) in groben Zügen die Tendenzen der Globalisierung beschrie-