Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVIII/ 107

nung finden, dient die Region in diesem Konzept vor allem als Adressatübergeordneter Förderinstitutionen und besitzt kaum Gewicht als kulturellkonstruierte territoriale Einheit. Stillschweigend wird vorausgesetzt, dassglobale Probleme am besten regional gelöst werden können aber könnensie das wirklich in jedem Fall? Problematisch ist auch die Annahme, eineLR könne quasi aus eigener Kraft ihre Strukturschwächen beheben, denn sieignoriert historische Pfadabhängigkeiten, die sich nicht durch den Einsatzüberregionaler Förderinstrumente übergehen lassen.

So bleibt festzuhalten, dass das vorliegende Buch nicht nur von einer ausvolkskundlicher Sicht befremdlichen Fehlwahrnehmung regionaler Wirk-lichkeiten getragen wird, sondern auch viele Elemente des LR- Konzeptesauf einem trügerischen wissenschaftlichen Machbarkeitsglauben beruhen.Handwerkliche Mängel wie die Präsentation unsinniger Grafiken sowie zahl-reiche Schreib- bzw. Druckfehler trüben zusätzlich das Lesevergnügen.

Sönke Löden

SCHMIDT, Gunnar: Das Gesicht. Eine Mediengeschichte. München,Wilhelm Fink Verlag, 2003, 140 Seiten, sw- Abb.

Nach ,, Anamorphotische Körper( 2001) legt der Literatur- und Kulturwis-senschaftler Gunnar Schmidt nun mit, Das Gesicht" die zweite Publikationvor, die im Rahmen eines visuellen körpergeschichtlichen Forschungs-interesses steht und aus dem Hamburger Projekt Körperbilder hervorge-gangen ist. Bereits der Untertitel ,, Eine Mediengeschichte" weist darauf hin,dass Schmidt das Gesicht als Medium begreift. Konkret geht es ihm um dasleidenschaftliche Gesicht, das er über verschiedene Konzepte der Gesichts-deutung vom 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert beschreibt. SeineQuellen stammen von Denkern und Autoren aus den freien Künsten, derPhilosophie und den Wissenschaften, ihre abbildenden Medien sind Zeich-nung, Malerei und schließlich die Fotografie. Wobei die wissenschaftlicheFotografie in Schmidts Analyse einen Schwerpunkt bildet. In acht autono-men Kapiteln, eingeteilt nach Entwicklungstendenzen, analysiert Schmidtchronologisch den historischen Wandel und damit die Entstehung undEtablierung einer Wissenschaft vom Ausdruck.

Schmidt führt in seiner Darstellung zunächst in die Fragen des histori-schen Raumes und der daraus entstehenden Semio- Kultur ein. Er stellt dasGesicht als aussagekräftiges Zeichen des Leibes dar und verweist auf diezeitgenössische Frage nach falschem oder wahrem Ausdruck und der darausentstehenden Mediendebatte, in der das Bild als ,, Interface zwischen Wahr-nehmung und Erkenntnis"( S. 11) diskutiert wurde.