Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Seite
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2004, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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, Normalitäten. Wie das gehen kann, zeigen die vorgestellten zeitgenössi-schen Künstler, wenn sie in ihren Arbeiten den traditionellen Einsatz derFotografie ironisieren, um so das Nichtübliche abzubilden. Das zeigt nocheinmal, wie der Kontext eines Bildes, die persönliche Prägung des einzelnenBetrachters und die Absichten der herrschenden Klasse die Bedeutung einerFotografie bestimmen. Für die Betrachtung- und das zeigt der vorgestellteBand- bleibt es also zentral, die je eigenen Erwartungen zu überprüfen unddanach zu fragen, welche Botschaften eine Fotografie suggerieren will.Christine Vogtherr

KAMMERHOFER- AGGERMANN, Ulrike( Hg.): Ehrenamt und Lei-denschaft. Vereine als gesellschaftliche Faktoren(= Salzburger Beiträge zurVolkskunde, Bd. 12). Salzburg, Selbstverlag des Salzburger Landesinstitutsfür Volkskunde, 2002, 336 Seiten.

Die insgesamt 23 Beiträge zu dieser Publikation sind verschiedenen Facet-ten des Vereinswesens gewidmet. Wie schon in den vorangegangenen Bän-den der, Salzburger Beiträge zur Volkskunde kommen dabei nicht nurVolkskundler zu Wort, auch Wissenschaftler aus den Nachbardisziplinen,wie etwa Historiker, Germanisten, Psychologen oder Politikwissenschaftlerbereichern das Buch mit ihren Sichtweisen. Dieser interdisziplinäre Ansatzerfreut, ist er damit doch ein weiteres Zeugnis für eine sich als Integrations-wissenschaft verstehende, jedoch zu oft an mangelndem Selbstbewusstseinleidende Volkskunde.

Ziel der Publikation war es, wie Ulrike Kammerhofer- Aggermannschreibt ,,, soziokulturelle Aspekte zur aktuellen Debatte um Vereinswesenund Ehrenamt zu leisten( S. 5). Die Beiträge selbst folgen dieser Absichtund beleuchten das umfangreiche Themenfeld aus unterschiedlichsten Per-spektiven. Entsprechend den wissenschaftlichen Hintergründen und Zu-gangsweisen der Verfasser werden allgemeinere Fragen der Vereinsfor-schung oder spezifische Kontexte sowie Vereinsstrukturen, Ziele und Orien-tierungen, politische Zusammenhänge oder die Verbindung zu Zeitgeist undWandel in der Gesellschaft untersucht. Nach einem umfangreichen Vorwortder Herausgeberin weist Alexander G. Keul in seinem Beitrag auf Fragender verborgenen Psychologie des Vereinswesens hin, indem er den Men-schen als zoon politicon beschreibt, der einen psychischen Nutzen durch densozialen Austausch in einem Verein zieht. Allgemeine Überlegungen stelltRainer Alsheimer an, der in Vereinssprachen ,, demokratisch- modernisieren-de[ n] Strukturelemente der öffentlichen Rede gepaart mit den ,, gesamten