2004, Heft 2
Buchanzeigen
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PETSCHAR, Hans, Herbert FRIEDLMAIER: Kärnten in alten Fotogra-fien. Wien, Ueberreuter, 2003, 304 Seiten.
DIES.: Steiermark in alten Fotografien. Wien, Ueberreuter, 2003, 304Seiten.
Das Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek verwaltet über zweiMillionen Fotografien und darf als größte Dokumentationsstelle historischerund zeitgenössischer Fotografien in Österreich bezeichnet werden. DiesenSchatz der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist das intensive Bestrebender jetzigen Direktion. Dass dies nicht allein durch das Digitalisieren derKataloge und deren Veröffentlichung im Internet bzw. durch das Verbessernder Dienstleistungsangebote möglich ist, beweisen die beiden vorliegendenBände, die den Anfang einer Reihe durch alle österreichischen Bundesländerbilden. Jedes Bundesland wird aus der großen Fülle der vorhandenen Foto-grafien in zehn Kapiteln anschaulich präsentiert, die Dokumente wurdenvom Leiter des Bildarchivs und einem seiner Mitarbeiter ausgewählt undfür den Druck bearbeitet.
Sehr beredt erzählen die Bilder vielfältige Geschichten von den Land-schaften, Bergen und Seen, vom Arbeiten, vom Feiern, von Menschen undTieren, von ,, Modernen Zeiten“ und technischen Entwicklungen sowie vomLeben auf dem Land und in der Stadt. Sie halten Erinnerungen jenseits dererklärenden Worte fest. Scheinbar„ objektiv“, aus einem sich ständig än-dernden Blickwinkel die Landschaft fokussierend, reiht sich Bild an Bildund löst so im Betrachter unterschiedliche Assoziationen aus. Diesem bleibtes überlassen, das Abbild positiv oder negativ zu interpretieren, schöne oderunangenehme Erinnerungen damit zu verknüpfen und die Botschaft dahinterzu finden oder nicht.
Vielleicht sagen Bilder wirklich mehr als tausend Worte, weil sie in ihrerInformationsdichte oft eindeutiger sein können als verbale Äußerungen,doch muss man sie stets auch zu lesen verstehen, ihr zeitliches und/ oderpolitisches Umfeld kennen. Alte Fotografien erschließen ähnlich altenReiseberichten Erscheinungsbilder, die in der Realität nicht mehr präsentsind. Sie dokumentieren den tiefgreifenden Wandel der Lebensweise derBevölkerung auf dem Land und halten überkommene kulturelle Gegenstän-de fest, die oft zwar noch erhalten geblieben sind, ihre Funktion jedochgrundlegend verändert haben und heute als Kennzeichen der Kulturland-schaft repräsentative Zwecke erfüllen. Sie erlauben aber und laden dazu ein,über frühere Lebensweisen und Haltungen zu reflektieren.
So stellen diese beiden Bände, denen weitere folgen sollen( im Jahr 2004sind Salzburg und Tirol zu erwarten), jeweils ein Bundesland vor undpräsentieren neben berühmten Menschen auch berühmte Orte, die an signi-