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Buchanzeigen
ÖZV LVIII/ 107
fikanten Berggipfeln und Kirchtürmen eindeutig zuzuordnen und erkennbarsind, sowie auch versteckte Winkel, unberührte Stellen und unbekanntgebliebene Persönlichkeiten.( MB)
DEAN, Tacita: Floh. In Zusammenarbeit mit Martyn Ridgewell. Göttin-gen, Steidl, 2002, 176 Seiten, 163 Abb.
Das Buch ,, Floh“ der englischen Künstlerin Tacita Dean ist ein Buch ganzohne Worte. Lediglich der Titel ist in den Leineneinband geprägt, statt einemTitelblatt enthält der Band die Signatur der Künstlerin, Angaben zum Verlagfinden sich auf dem Kartonschuber. In diesem Buch sprechen„ nur“ Bilder.Es handelt sich um eine Sammlung von auf Berliner Flohmärkten erstande-nen Fotografien, die gemeinhin in die Kategorien Knipserfotografie, privateFotografie, Familienfotografie, anonyme Fotografie oder Amateurfotogra-fie eingeordnet werden, und die wegen ihrer massenhaften Existenz undihrer vermeintlichen Banalität lange Zeit als uninteressant abgetan wurden.Tacita Dean hat solche Fotografien in ein neues Licht gerückt, indem sie siein jener Kontextlosigkeit belieẞ, in der sie sie aufgefunden hat. Die Fotossind nach keiner erkennbaren Ordnung aneinandergereiht, in der Regel ganzoffensichtlich nicht im Original- Format abgebildet, es wechseln sichSchwarz- Weiß- Aufnahmen mit Farbaufnahmen, Aufnahmen aus dem19. Jahrhundert mit solchen aus dem 20. Jahrhundert unregelmäßig ab,technisch ,, misslungene" Bilder sind genauso dabei wie technisch an-spruchsvolle, sorgfältig komponierte und inszenierte Bilder ebenso wieSchnappschüsse. Die solcherart konsequent dekontextualisierende Form derPräsentation mag auf den ersten Blick irritieren, auf den zweiten Blickermöglicht sie eine genaue und aufmerksame Lektüre der Bilder, gerade weiles an jeglicher Anleitung fehlt. Die BetrachterInnen sind auf ihr eigenesDechiffrierungs- und Interpretationsvermögen verwiesen, das umso mehrgefordert zu sein scheint, je weniger es eine Richtung vorgegeben bekommt.Der Band lädt daher zu einem intensiven Studium der verschiedenen Bild-sprachen, Gesten, Posen, Inszenierungsformen etc. ein, er fungiert als eineArt Sehschule.( SB)