Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVIII/ 107, Wien 2004, 239-271
Chronik der Volkskunde
Ort. Arbeit. Körper. Ethnografie Europäischer Modernen34. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskundevom 5. bis. 8. Oktober 2003 an der Humboldt- Universität zu Berlin
Mit Titeln verhält es sich ähnlich wie mit Bildern. Der Blick wandert überWörter und Zeilen, an dem einen oder anderen Detail hakt er sich fest. Ein-zelheiten und Fragmente sind es, die man vom Kongreẞtitel wahrnimmt- unddie befremden. Als Leser hat man gelernt, den Zusammenhang zu suchen, dochdie Interpunktion läßt dies nicht zu. Wo es aber um Modernen gehen soll, um,, Fragen und Probleme historischer Prozesse in Europa seit dem 18. Jahrhun-dert", hat es schon seine Richtigkeit, die Gewohnheit der Suche nach- im genauenWortsinne- Eindeutigkeiten zu stören und auf Pluralitäten zu bestehen.
Modernen im thematischen Fokus einerseits, Modernisierung als organi-satorisches Prinzip andererseits lassen sich als Leitmotive des Kongressesfestmachen. Mit der Auswahl vor allem jüngerer Wissenschaftlerinnen auchfür Plenarvorträge wurde ein Generationenwechsel angedeutet, neben denSektionen wurden zusätzlich Panels angeboten, das Konzept Moderationwurde durch dasjenige des Kommentars ergänzt, die Dauer des Kongresseswurde auf drei Tage verkürzt( fast ist man versucht zu sagen: verschlankt).Inhalte wie Strukturen stießen gerade auch bei Studierenden auf breiteResonanz. Studierende stellten, so wenigstens der Augenschein, ein Drittelaller Teilnehmerinnen und Teilnehmer; diese starke studentische Präsenz hatim Fach eine lange Tradition, ist aber im Vergleich mit anderen Wissen-schaftsdisziplinen, in denen derartige Veranstaltungen noch deutlich exklu-siven Charakter tragen, nach wie vor bemerkenswert. Auch aus Wien wareine Gruppe von rund zwanzig Studierenden angereist. Die folgenden Kurz-berichte nicht alle Veranstaltungen des Kongresses wurden hier bedacht,nicht immer wurden Moderation und Kommentar miteinbezogen- sind alsoErgebnis einer Exkursion in das Fach.
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An der Programmstruktur hatte die Kongreßleitung einige Veränderungenvorgenommen, grundsätzlich aber bewegte man sich im Rahmen der klassi-schen Kongreẞdramaturgie: Eröffnungs- und Schlußvortrag bildeten die Klam-mer des Programms. Mitten hinein in das Fach und seine Probleme führte zuBeginn der Tagung der Vortrag von Gisela Welz. In ihrem Entwurf zur For-schungsagenda einer Europäischen Ethnologie stellte sie die Frage nach Defini-