Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LVIII/ 107

Keramik als Zeichen regionaler Identität

36. Internationales Hafnerei- Symposium des Arbeitskreises fürKeramikforschung im Schloss Kittsee, Burgenland

vom 21. bis 26. September 2003

Im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien eröffnete der Direktordes Hauses, Dr. Franz Grieshofer, die Tagung, die von ihm und von Dr.Werner Endres, Regensburg, ausgerichtet worden war. Etwa siebzig Inter-essenten aus Belgien, Deutschland, Österreich, Rumänien, der Schweiz, derSlowakei und Ungarn waren der Einladung gefolgt. Franz Grieshofer wiesdarauf hin, dass bereits 1981 ein Hafnerei- Symposium in Kittsee stattgefun-den hatte und zeigte sich erfreut, dass etliche Teilnehmer schon damals dabeiwaren. Anschließend erläuterte er die Geschichte des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde in Wien und dessen Außenstellen und kündigtefür das Jahr 2004 eine Keramikausstellung im Ethnographischen MuseumKittsee an.

Im Anschluss daran hielt Wolf Matthes einen Vortrag über ,, Die rotenGlasur- und Dekorfarben, Teil 1, die mit zwölf Metallverbindungen erzeugtwerden können. An Hand informativer Dias wies er darauf hin, dass leuch-tendes Rot schwierig herzustellen ist und dass viele äußere Einflüsse eineRolle spielen, wie die passende Matrix der Glasur, die Brennatmosphäre undder Brennverlauf. Teil 2 ist für das nächste Symposium vorgesehen.

Gabriele Scharrer- Liska berichtete über ein ,, Aquamanile aus der Latrineim Augustinerturm in Wien. Mit vielen Bildern erläuterte sie die Lage desim 16. Jahrhundert geschleiften Turmes und stellte die Verfüllung aus dreivorhergehenden Jahrhunderten vor. Besonders erwähnenswert ist ein Aqua-manile in Form eines Igels. Frau Scharrer- Liska stellte die selten vor-kommende keramische Form in einen kulturhistorischen Zusammenhangund wies auf die Bedeutung des Igels vor allem in der Antike hin.

Nach einem historischen Überblick über das Kastell in Mautern, Nieder-österreich, zeigte Alice Kaltenberger Funde des 16. und 17. Jahrhunderts,die als Dämmmaterial bei einem Umbau um 1645 oder später in einemHafnerhaus Verwendung fanden, darunter auch Schrühbrände: Kacheln mitden üblichen Darstellungen, Töpfe, zwei Deckel, tiefe Schüsseln mit Füßen.Marta Pašteriková stellte den reichhaltigen Keramikbestand des Slowa-kischen Nationalmuseums in Martin vor, wobei es sich sowohl um Hand-werksarbeiten als auch um Manufakturware handelt. Die Dekore unterschei-den sich je nach Provenienz; besonders auffallend ist eine Habanerfliese,die einen Kubus vortäuscht. Diese Fliesen konnten im Original in einemBeispiel am Nachmittag im Depot des Volkskundemuseums Wien und späterauch im Slowakischen Nationalmuseum in der Pressburger Burg besichtigt