Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Seite
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2004, Heft 3

Chronik der Volkskunde

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vals Wolframs von Eschenbach, welche zwar keinen Anspruch auf Authenti-zität erheben, aber recht eindrucksvolle Versuche darstellen.

Das Symposion fand in einer gleichermaßen entspannten wie konzen-trierten Atmosphäre statt, die Vorträge waren allzumal inspirierend, dieDiskussionsbeiträge konstruktiv und auf hohem Niveau. So bleibt nur zuhoffen, dass die Vorträge möglichst bald in gedruckter Form erscheinen.Bernd Rieken

,, Die Greuel der Verwüstung menschlichen Geschlechts"-Zur 350. Wiederkehr des Todesjahres von

Hippolytus Guarinonius( 1571-1654)

5. Symposium der Sterzinger Osterspiele, 5. bis 7. April 2004

Der wüste Titel dieses berühmten 1332seitigen Werkes aus dem Jahre 1610sollte die Leser eindringlich vor unmäßigem Leben, vor abergläubischenVorstellungen sowie moralischen und religiösen Verirrungen warnen. Dabeiwurde dieses Opus Magnum des aus Trient gebürtigen Haller StiftsarztesHippolytus Guarinoni( 1571-1654) selbst zu einem ,, katholischen Tendenz-werk mit didaktischer Absicht", wie es Leopold Schmidt in seiner Geschich-te der österreichischen Volkskunde bezeichnet hat. Seine Inhalte berührenAspekte täglichen Lebens im Tiroler Raum und weit darüber hinaus. FrühereVertreter der Volkskunde waren daher versucht, Guarinonis Erzählungen alsauthentische Schilderungen ländlicher und städtischer Lebensverhältnisseim späten 16. und frühen 17. Jahrhundert zu verstehen. Die ,, Greuel derVerwüstung menschlichen Geschlechts" wurden so zur kultur- und sozial-historischen Quelle, zur Sammlung volkskundlicher Miniaturen. Eine breitequellenkritische Auseinandersetzung mit dem Werke Guarinonis begannerst mit der Festschrift zum 300. Todestag des Autors im Jahre 1954, wurdenach der Veröffentlichung des, Greuel"-Reprints 1993 in einer Tagung inNeustift intensiviert und kann auch weiterhin nicht als erschöpft oderabgeschlossen betrachtet werden.

Die 350. Wiederkehr seines Todesjahres bot im April 2004 Anlass für eineneuerliche eingehende Beschäftigung mit der Person Guarinonis und seinemvielseitigen Vermächtnis. Im Rahmen der, Sterzinger Osterspiele, dieheuer nunmehr zum 19. Mal vom Vigil- Raber- Curatorium ausgerichtetwurden, fand ein interdisziplinäres Symposium mit Referentinnen und Re-ferenten aus fünf europäischen Ländern statt. Nach ,, Fastnachtspiel- Com-media dell'arte"( 1991) ,,, Osterspiele- Text und Musik( 1992), Literaturund Sprache in Tirol von den Anfängen bis zum 16. Jahrhundert( 1995) und