Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Seite
279
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2004, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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zyklus gewidmet: Heiratsalter und Heiratsquote( Frühehen eher bei denPomaken), Scheidung- Polygamie- Wiederverheiratung, Residenzprinzip,Haushaltsteilung und Eigentumsübertragung, Haushaltszusammensetzung,Lebenszyklen, patriarchale Dominanz, Geschlechterbeziehungen, Haus-haltsvorstand, Sozialisation der Kinder. All dies ist durch viele Statistikenerhärtet und in Interviews dokumentiert und wird dann in einer abschließen-den Diskussion in den internationalen Vergleich von Gebirgsgesellschaftengestellt- aber wiederum auch in einen speziell balkanischen, wo die Struk-turen des Ostbalkans von denen des Westbalkans( komplexe Haushalte mitkoresidenten Einheiten von patrilinearen Abstammungsgruppen mit ausge-sprochener Ahnenideologie) abgesetzt werden.

Es folgen noch die Schlussbemerkungen( S. 441 ff.), weitere Tabellen( S. 455 ff.), die umfangreichen archivalischen Quellen( S. 463 ff.), die Se-kundärliteratur( S. 469 ff.) sowie ein Verzeichnis der Tabellen, Grafiken undKarten( S. 507 ff.). Mit kritischen und komplexen Arbeiten dieses Formatserhöht sich der Tiefgang der vergleichenden südosteuropäischen Volkskun-de und Balkanologie- und Südosteuropa wird mit Erfolg eingebunden indie internationale Familien- und Haushaltsforschung, an der sich eine ganzeReihe von Disziplinen beteiligt.

Walter Puchner

JÁROSI, Katalin: Ethnizität, Großstadt, Repräsentation. Strategien eth-nischer Identitätsbildung bei in Berlin lebenden Ungarinnen und Ungarn.Münster u.a., Waxmann, 2003, 185 Seiten.

Wenn von ,, Ausländern" in der BRD gesprochen wird, so ist zumeist vonden ,, auffälligen türkischen MigrantInnen die Rede, deren Lebensweise,Religion, Familienstrukturen und Sozialverhalten schon häufiger untersuchtwurden. Sie werden nicht nur wegen ihrer großen Zahl, sondern auch wegenihrer Physiognomie und wegen der Assoziation mit sozialen und politischenProblemen als ,, auffällig bezeichnet. Von anderen Bevölkerungsgruppenausländischer Herkunft ist in der Öffentlichkeit wie auch in wissenschaftli-chen Veröffentlichungen seltener die Rede. Trotzdem sind in letzter Zeit dieItaliener, die Griechen und nun, mit dem hier anzuzeigenden Buch, auch dieUngarn als eher ,, unauffällige" Ausländergruppen in die Diskussioneingebracht worden.

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Das Buch Ethnizität, Großstadt, Repräsentation. Strategien ethnischerIdentitätsbildung bei in Berlin lebenden Ungarinnen und Ungarn ist dieDissertation von Katalin Járosi, einer in Ungarn geborenen Europäischen