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Chronik der Volkskunde
ÖZV LVIII/ 107
Alltagskulturen. Forschungen und Dokumentationenzu österreichischen Alltagen seit 1945
24. Österreichische Volkskundetagung in St. Pölten,9. bis 12. Juni 2004
Die Österreichische Volkskundetagung, die alle drei Jahre vom Fachverbandfür Volkskunde und dem Verein für Volkskunde organisiert wird, fand indiesem Jahr vom 9. bis 12. Juni 2004 in St. Pölten statt. Tagungsort warendie Räumlichkeiten des Instituts für Geschichte der Juden in Österreich inder ehemaligen Synagoge St. Pölten, einem beeindruckenden Jugendstilbau.Subventioniert wurde die Tagung vom Bundesministerium für Bildung, Wis-senschaft und Kultur, dem Land Niederösterreich und der Stadt St. Pölten.
Der Einladung des Fachverbandes folgten rund 80 TeilnehmerInnen. Dasheuer sehr dichte Tagungsprogramm umfaßte 22 Referate und Projekt-vorstellungen sowie eine Exkursion nach Eggenburg, wo das ,, RRRollipop-Museum", das sich den 1950er- Jahren widmet, sowie das ÖsterreichischeMotorradmuseum besucht wurden.
Das Thema Alltagskulturen nach 1945 wird derzeit österreichweit heftigdiskutiert. Im Jahr 2002 konstituierte sich der Verein ,, Alltagskultur nach1945" ausgehend von den Oberösterreichischen Landesmuseen und demReferat für Volkskultur und Landeskunde des Instituts für Kunst und Volks-kultur Linz. Mittlerweile gehören dem Verein sowohl WissenschafterInnenals auch MuseumskustodInnen und SammlerInnen an. Das gemeinsameProjekt soll im Jahr 2005 in zahlreiche Ausstellungen sowie Publikationenzum Thema münden( nähere Informationen unter www.alltagskultur.at). ZurVorbereitung fanden in der Vergangenheit bereits mehrere Symposien undFachgespräche statt. Erstes Ergebnis war die Publikation ,, Dinge des All-tags. Objekte zu Kultur und Lebensweise in Österreich seit 1945", einekleine feine Broschüre, in der„ Leitobjekte“ des Alltags in der zweitenHälfte des 20. Jahrhunderts aufgelistet und beschrieben zu finden sind. ImVorfeld der Tagung fand eine Pressekonferenz statt, in der sowohl das Projektals auch die Publikation interessierten Journalisten vorgestellt wurden.
Zur Eröffnung der Tagung sprach Olaf Bockhorn als Vorsitzender desÖsterreichischen Fachverbandes für Volkskunde kurze einleitende Worte.Das Eröffnungsreferat hielt Konrad Köstlin, Vorstand des Instituts für Eu-ropäische Ethnologie der Universität Wien und Präsident des Vereins ,, All-tagskultur nach 1945“. In seinem Beitrag ,, Der Alltag als Thema der Euro-päischen Ethnologie“ führte er aus, dass die Wissenschaft bei der Erfor-schung des Alltags nach dem Selbstverständlichen fragt und dadurch dasSelbstverständliche zum Kuriosum macht. Er wies auf die fragmentierten