2004, Heft 4
Chronik der Volkskunde
385
Fotos- ,, schön und nützlich zugleich...". Das Objekt FotografieBericht über die 2. Tagung der Kommission Fotografie
der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde
vom 15. bis 17. Oktober 2004 in Wien
In seiner Eröffnungsrede und im Vortrag ,, Der Liebe Blick- Kinderfotogra-fie" bekräftigte Konrad Köstlin die Bedeutung der Fotografie für die Volks-kunde als Bildwissenschaft. Das fotografische Bild, obwohl so nahe an derRealität, stelle in der Rezeption immer noch einen, blinden Fleck' dar, denes mit einem eigenen Instrumentarium und der steten Frage nach demIkonischen sichtbar zu machen gelte. Insgesamt bestehe das Problem derGlaubwürdigkeit der„, schönen Bilder“. Diese existierten durch kulturelleCodierung, deren Mechanismen wiederum sich die Wissenschaft bislang zuwenig gewidmet habe. Köstlin: ,, Was ist, wenn der Körper mit seinem Bildverwechselt wird?" Als ,, schön" werden etwa Familienfotografien empfun-den. Er wies auf das Phänomen hin, daß Säuglinge in den ersten beidenLebensjahren praktisch rund um die Uhr fotografiert würden: beim Essen,Baden, Spielen, Schlafen und Windelnwechseln. Fotografieren bedeute hier,, Kenntlichmachen des Niedlichen“, daß die Sprößlinge ,, uns lieb und teuersind". Die allgegenwärtige Visualisierung verliere sich dann aber sehrschnell. Als Bestandteil der„ biographischen Lebenserzählung“ sei derAlltag visuell an den Rand gedrängt, lediglich während der Urlaubsreisewerde noch umfassend für das Familienalbum berichtet. Dennoch belegedas Medium Fotografie, so Köstlin, einen Anspruch der Moderne ,,, mög-lichst das Leben lückenlos in Bildern dokumentieren zu können“. Währendim Zeitalter des Internet das traditionelle Fotoalbum ,, Unser Kind" kaummehr angelegt werde, hätten Babyfotografien aus dem World Wide WebHochkonjunktur- diese zum Teil sexualisierten Bilder( Baby als Playboy-Bunny) stammen, so hat Köstlin herausgefunden, vielfach aus den Nieder-landen und Belgien.
Susanne Regener konzentrierte sich in ihrem Referat ,, Fotografie alsintermediales Objekt" auf die visuelle Präsentation von Mode. Dabei for-mulierte sie drei Hypothesen: 1. In der populären Fotografie der Gegenwarthat das Verhältnis von Bild, Sprache und Text essentielle Bedeutung. 2. DieBildlegende soll die Aufmerksamkeit lenken. 3. Bilder werden zunehmendmit anderen Bildern verflochten. Die visuellen Themenschwerpunkte hier-zu: Katastrophe, Pornographie und Überwachung. Regener am Beispiel derenglischen Zeitschrift, The Face' über die verschwimmenden Grenzen:,, Man kann nicht mehr zwischen Werbung und redaktionellem Beitragunterscheiden." Angesichts allgegenwärtiger Werbebilder stelle sich die