Jahrgang 
107 (2004) / N.S. 58
Seite
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2004, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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gesendet werden. Ana Blank beschäftigt sich mit deutschen Nichtregie-rungsorganisationen( NGO's) in Sarajewo. Interessiert ist die Autorin be-sonders am Stellenwert, den ihre bosnischen Interviewpartner und Inter-viewpartnerinnen den Nichtregierungsorganisationen beimessen. Vielfachübernehmen derartige Organisationen gesellschaftliche Funktionen, die derbosnische Staat so nicht leisten kann. Sie bieten darüber hinaus auch einenbegrenzten Schutz für ethnische Minderheiten. Der Beitrag von Sven Berg-mann, Julia Henrich, Tanja Kämper und Christian Sprenger spricht einensehr zentralen Aspekt urbaner Globalisierung an: ,, Wem gehört die Stadt?"Einen Grossteil der Interviews haben sie im Frankfurter Gallusviertel durch-geführt. Sie haben mit Planern, Architekten, Investoren, Managern, Schü-lern und Mitgliedern von Bürgerinitiativen gesprochen. Der Beitrag beziehtsich einerseits auf den Imagewandel und andererseits auf spezifische Ortedes Gallusviertels. Die Autoren und Autorinnen versuchen aus einer Per-spektive von ,, unten Problemstellungen aufzuwerfen, die darauf verwei-sen, dass Identität und Differenz nicht als Gegensätze verstanden werdensollen, sondern als eine Art utopische Vorstellung von einer ,, anderen Stadt"lebbar gemacht werden können.

Globale Strategien am Beispiel Stadt verweisen auf den Ort der Produk-tion realer Benachteiligungen, aber auch auf die unterschiedlichsten Ver-änderungsformen kultureller Handlungen. Die individuellen und kollekti-ven Lebenssituationen der Menschen bleiben jedoch vielfach im Verbor-genen obwohl die Dynamik globaler Aktivitäten von der lokalen Kulturabhängig ist. Eine nähere Beschäftigung mit den Interviewsituationen hättedie verschiedenen Formen dieser Dynamik vielleicht noch verdeutlicht. DasBuch ,, global heimat bietet einen Einstieg in das Thema Globalisierung/Lokalisierung und liefert zudem Einblicke in die Vielfältigkeit der StadtFrankfurt am Main.

Manfred Omahna

SCHARR, Kurt( Hg.): Die Karpaten. Balthasar Hacquet und das ,, ver-gessene" Gebirge in Europa. Innsbruck, Studienverlag, 2004, 332 Seiten,zahlr. s/ w- Abb., Karten, Routenskizzen.

Balthasar Hacquet( 1739/ 40-1815) war ein Pionier der Alpengeologie. AlsArzt, Naturwissenschaftler, Kenner der Ostalpen und- seinen Interessens-lagen und Beschreibungen nach- auch als früher Volkskundler bereiste ervon 1788 bis 1795 den gesamten Karpatenbogen. Hacquet nahm außerdeman zahlreichen europäischen Kriegen seiner Zeit teil. Zwischen den Feldzü-