2004, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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len, die dort ihren individuellen Reiseträumen folgen wollen, bietet es docheinen authentischen Eindruck der Reiseerfahrungen in der Zeit um 1790.Nützlich macht den Band überdies die vom Herausgeber zusammengestellteweiterführende Literatur, sowie Hinweise auf Arbeiten über Hacquet, eingeographischer Index und eine Ortsnamenskonkordanz.
Matthias Beitl
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CUISENIER, Jean: Жан Кюїзенье Пам'ять Карпат. ТисячолітняРумунія. Погляд зсередини./ Пер. з фр. JLBIB: Axi, 2004.466c./Pamjat Karpat. Tusyacholitnya Rumuniya. Poglyad zseredunu. Lviv,Achill, 2004. 466 Seiten( Ukrainische Übers. des frz. Originals Mémoiredes Carpathes. La Roumanie millenaire: un regard interieur. Plon, TerreHumaine, 2000, 570 Seiten).
Die unbekannten weitläufigen Karpaten. Wer bewohnt sie, wie ist das Lebender Bevölkerung dieser Regionen beschaffen und welche Wahrheiten ver-bergen sich hinter dem Mythos vom ,, Land der Vampire"?- Der französi-sche Ethnologe Jean Cuisenier sammelte seine Beobachtungen zu diesenFragen über einen Zeitraum von 30 Jahren und präsentiert sie abschließendin einem- nach dem französischen Original nun auch auf ukrainisch undrumänisch vorgelegten – Werk, welches die Leser entlang der nacherzähltenReiseroute von Bukarest aus bis hin zu den abgelegenen Regionen Maramu-resch, Oltenia und Bukowina an das Staunen, Befragen und Erklären desAutors anzunähern versucht. Der Charakter dieser Beobachtungen und derVersuche, sie zu verstehen, lässt sich hierbei vielleicht am besten mit einerFormel beschreiben, die Cuisenier selbst zur Charakterisierung der Karpa-ten formuliert: ,, Sie sind fragmentarisch und gleichzeitig sowohl imaginär,als auch real beschaffen“( S. 18). Auf den Seiten dieses Buches entfaltet sichdergestalt das Bild eines anderen, unbekannten und geheimnisvollen Euro-pa, das Cuisenier unter den Begriff ,, Balkan“ fasst.
Die Materialien zu dieser Forschung wurden während zweier Reisendurch Rumänien gesammelt. Die erste Expedition fand Anfang der siebzigerJahre während der Herrschaft des Ceausescu- Regimes statt; die zweite Reiseunternahm Cuisenier im Jahre 1991 nach dem Sturz des Diktators. Unter derSchirmherrschaft eines UNESCO- Programms zur Förderung der wissen-schaftlichen Kommunikation sah sich Cuisenier bei seiner ersten Reisezuvorderst mit den bürokratischen Hürden des kommunistischen Regimeskonfrontiert und konnte seine Feldforschung dementsprechend nur in Ab-hängigkeit von Auflagen zur Unterkunftswahl, Reiseroute und Auswahl derGesprächspartner durchführen. Im Sinne dieser Erfahrungen beschreibt