404
Literatur der Volkskunde
ÖZV LVIII/ 107
RADKAU, Joachim, Frank UEKÖTTER( Hg.): Naturschutz und Natio-nalsozialismus(= Geschichte des Natur- und Umweltschutzes, Bd. 1).Frankfurt am Main/ New York, Campus- Verlag, 487 Seiten.
Der Mitherausgeber des vorliegenden Sammelbandes hat sich als Rezensenteinmal sehr kritisch zur Institution des Tagungsbandes geäußert: ,, EinerSondersteuer auf Tagungsbände würde der Autor dieser Rezension- nichterst seit dieser Lektüre- mit einiger Sympathie gegenüberstehen.“ Das vonFrank Uekötter maßgeblich mitbestimmte Buch hingegen beweist, wiesinnvoll und nützlich die Sammlung von Tagungsbeiträgen in einem Bandsein kann. Die Autorinnen( drei) und Autoren( 16) haben aus ihren speziellenForschungsgebieten jeweils genug Material für einen profunden Beitraganzubieten, so dass die Sammlung als solche einen Überblick zu gebenimstande ist, den keine/ r der AutorInnen allein hätte bewerkstelligen kön-nen. Frank Uekötter hat zudem mit einem abschließenden Literaturüberblickjene Arbeit geleistet, die sonst nur in Monographien zu finden ist. MitJoachim Radkau ist einer der profiliertesten deutschen Umwelthistoriker alsHerausgeber und Autor eines Beitrags tätig. Die Liste der AutorInnenumfasst neben deutschen HistorikerInnen mit David Blackbourn undThomas Lekan zwei amerikanische, so dass der Band auch eine Außenper-spektive bieten kann.
Das Buch ist in fünf Abschnitte geteilt, denen eine Einleitung( wieder vonUekötter) vorangestellt ist. Von den vier Beiträgen zu„ ÜbergreifendenPerspektiven" fällt jener des deutschen Bundesministers für Umwelt, Na-turschutz und Reaktorsicherheit, Jürgen Trittin, aus dem Rahmen des reinWissenschaftlichen. Wenn er einleitend feststellt ,,, Es gab eine sehr erheb-liche ideologische Schnittmenge, es gab zahlreiche Berührungspunkte undvor allem gab es keinen Punkt, an dem Naturschutz und Nationalsozialismusideologisch grundsätzlich unvereinbar waren. All das mag für einen Natur-schützer unangenehm sein- aber es ist die historische Wahrheit“( S. 38), istklar, dass hier kein Fachhistoriker schreibt. Seine Diagnose wird durch diefolgenden Beiträge dementsprechend bestätigt und kritisch erweitert. Insbe-sondere wird der nationalsozialistische Modernisierungswille deutlich, derdem Naturschutz durchaus ablehnend gegenüberstand; ebenso deutlichwird, dass sich ,, der Nationalsozialismus“ als Analysekategorie kaum eig-net, weil auch diese Diktatur nicht als monolithischer Block, sondern als1 Frank Uekötter: Rezension von: Christoph Bernhardt( Hg.): EnvironmentalProblems in European Cities in the 19th and 20th Century. Umweltprobleme ineuropäischen Städten des 19. und 20. Jahrhunderts. Münster u.a. 2001. In:Sehepunkte 3( 2003), Nr. 5[ 15.05.2003], URL:< http: //www.sehepunkte.histo-ricum.net/2003/05/1494.html>