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Chronik der Volkskunde
ÖZV LIX/ 108
gewidmet hat, das allerdings in ,, echten" Workshops( weniger Vorträge,mehr Zeit für Diskussion, gemeinsam Strategien erarbeiten etc.) noch inten-siver und gewinnbringender behandelt werden hätte können.
Matthias Beitl, Veronika Plöckinger,Katharina Richter- Kovarik, Margarete Wallmann
,, Mythos und Memoria.
Zur Phänomenologie des Numinosen in Literatur, Kunst undpopulärer Tradition."
18. interdisziplinäres Symposion zur Volkserzählung in Innsbruck,7. bis 10. Oktober 2004
Das von Leander Petzoldt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Europäi-sche Ethnologie der Universität Innsbruck organisierte Symposion fand imOktober vergangenen Jahres zum 18. Mal statt, im historischen Bürgersaaldes Innsbrucker Altstadtrathauses, einer traditionsreichen Kulisse für eineTagung, die inzwischen innerhalb der Volkskunde der deutschsprachigenLänder zu Tradition gelangt ist. Anhand von Referaten von durchgängighohem Niveau gingen die Teilnehmer dem Begriff des Numinosen in Volks-glauben und Volkserzählung, in Literatur, Lied und Oper und schließlich inden Massenmedien nach. Der geographische Rahmen umspannte dabeinicht nur den deutschsprachigen Raum, sondern bezog weite BereicheMittel- und Südosteuropas mit ein und umfasste Ausblicke nach Afrika undauf die nordische Mythologie.
Bernd Rieken( Wien) betonte in seinem Einführungsvortrag ,, Psycholo-gische Zugänge zum Verständnis des Numinosen“ den interdisziplinärenAnsatz und stellte die Verbindung von Erzählforschung und Tiefenpsycho-logie her. Der Begriff des Numinosen wurde als theologischer Terminus vonRudolf Otto eingeführt und als das spezifische Gefühl bestimmt, das sicheinstellt, wenn der Mensch mit transzendenten Mächten konfrontiert wird.Das Numinose wird als ambivalent empfunden und erweckt ebenso Anzie-hung wie Schauder, ist gleichzeitig Fascinosum und Tremendum. OttosBegriffsbestimmung hat die Erzählforschung beeinflusst. Die Sage kannvon daher als Ergebnis einer Geistesbeschäftigung gefasst werden, die dieWelt in Diesseits und Jenseits trennt und zwischen beiden vermittelt. Riekenmachte den Sachverhalt deutlich, indem er Auffassungen der Tiefen- undEntwicklungspsychologie zu Hilfe nahm. Die Freudsche Psychoanalyseträgt dazu die Mechanismen von Verdrängung und Projektion bei. Ver-