Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LIX/ 108, Wien 2005, 81–98
Literatur der Volkskunde
MEYER, Silke: Die Ikonographie der Nation. Nationalstereotype in derenglischen Druckgraphik des 18. Jahrhunderts(= Beiträge zur Volkskulturin Nordwestdeutschland, Bd. 104). Münster u.a., Waxmann, 2003, 420Seiten, 169 Abb.
Silke Meyers Dissertation widmet sich der populären und popularisiertenDruckgraphik im England des 18. Jahrhunderts, einem ästhetisch wenigspektakulären, gesellschaftlich und politisch jedoch hochbrisanten Themen-komplex. Die Autorin hat sich zum Ziel gesetzt, den ,, Prozess der mentali-tätsprägenden Klischeebildung in ihrem zeitgenössischen Kontext en detail“( S. 2) zu rekonstruieren und die Funktion dieser Klischees zu untersuchen.Dabei fragt sie auch nach dem Verhältnis der Bilder zur historischen Wirk-lichkeit, die sie in einem intensiven Blick auf die politischen und kulturellenKontakte Englands zu den zu untersuchenden Nationen darstellt.
Die Arbeit entwickelt sich über die Darlegung des methodisch- theoreti-schen Zugriffes auf das Thema und über Sequenzen zur Rezeption derDruckgraphik in England, zum Begriff der Nation und zur Situation Eng-lands als Nation hin zu einem ausführlichen Hauptteil mit dem Titel ,, Na-tionale Stereotype", in dem das recherchierte englische Bildmaterial be-schrieben, analysiert und kontextualisiert wird. Die Auswahl der Nationalste-reotype erfolgte aufgrund deren Repräsentanz innerhalb der Druckgraphik undumfasst die Niederlande, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.
Der verwendete, reichhaltige Quellenfundus besteht aus Graphiken,meist Kupferstichen aus dem British Museum, London. Zudem wurdenNachlassinventare untersucht. Der Fokus liegt auf breit rezipierten, einerweiten Leserschaft zugänglichen Bildern. Aus dem Bestand des BritishMuseum wurden 14.101 Karikaturen aus dem Zeitraum 1650 bis 1820ausgezählt und in einem Anhang mit den dazugehörigen Signaturen nachLänderdarstellungen geordnet.
Silke Meyer unterscheidet- gemäß volkskundlicher Traditionen im Um-gang mit Bildern- nach deren Funktion und Nutzung, populäre nachgesto-chene Künstlerkarikaturen, Heftchen( ,, Chapbooks“), Lotteriedrucke, Illu-strationen in Geographiebüchern und Klebebücher( ,, Scrapbooks“). Metho-disch wird klassisch bilderkundlich, an kunsthistorischen( Panofsky/ War-burg) wie volkskundlichen Zugriffen( Bringeus/ Brednich) orientiert, im