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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIX/ 108
Beiträge deutlich im Hinblick auf die angewandten Methoden und Gliede-rungsprinzipien. Das macht allerdings den Sammelband umso interessanterund lädt die LeserInnen zur Auseinandersetzung mit den gewählten Zu-gangsweisen ein.
Die Wahrnehmung und Reflexion des ,, Fremden“/ ,, Anderen“ und dieSkala der Beziehungen zwischen Einheimischen und Fremden hängt u.a. mitden überlieferten Auto- und Heterostereotypen einer Gesellschaft zusam-men. Unter diesem Aspekt gewinnen ähnliche Forschungen der Geschichts-wissenschaften und verwandter Disziplinen eine wichtige politische Dimen-sion. Die Initiative der österreichischen Kolleginnen und Kollegen, dergemeinsame Wille zum Vergleich und die moderne interdisziplinäre Denk-weise der Herausgeber haben in dieser Hinsicht auch Früchte getragendenn neben konkreten Informationen bietet der fesselnde Sammelband auchAnregungen und Inspirationen für weitere Forschungen.
Jana Pospíšilová
INGRAM, Susan, Markus REISENLEITNER( Hg.): Placing History.Themed Environments, Urban Consumption and the Public EntertainmentSphere. Orte und ihre Geschichte( n): Themenwelten, urbaner Konsum undFreizeitöffentlichkeit(= Reihe Kultur. Wissenschaften. Hrsg. vom Bundes-ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Bd. 7). Wien, Turia+Kant, 2003, 241 Seiten, 41 s/ w- Abb.
Das Erleben von thematisch gestalteten Räumen zählt zu den prägnantenAlltagserfahrungen von Städtern, weltweit: Sei es in temporären( Groß-)Ausstellungen, permanenten Vergnügungsparks, Einkaufswelten oder, in-dem man in die flüchtigen, in Marketingstrategien entwickelten Szenarienfür eine gesamte Stadt eintaucht. Letzteres wird in der Stadtsoziologie alsFestivalisierung der Stadt kritisiert und in der Stadtethnologie auf seinekulturellen, stadtspezifischen Formen, sowie die damit einhergehendensozialen Ein- und Ausschlussverfahren untersucht. Dabei gilt diese Praxisals eine Folge der ökonomischen Transformationen in der spätmodernenStadt und ist Ausdruck des von der Deindustrialisierung herbeigeführtenStrukturwandels der Stadtgesellschaft und des Bedeutungszuwachses kul-tureller und symbolischer Ressourcen.
Die Literaturwissenschaftlerin Susan Ingram und der KulturhistorikerMarkus Reisenleitner bezeichnen diese urbanen Räume nun als Themenwel-ten und gehen in dem vorliegenden Sammelband ihren Vorläufern undhistorischen Kristallisationspunkten nach. Der Untersuchungszeitraum der