Jahrgang 
108 (2005) / N.S. 59
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIX/ 108

HÜWELMEIER, Gertrud: Närrinnen Gottes. Lebenswelten von Ordens-frauen. Münster/ New York/ München/ Berlin, Waxmann, 2004, 241 Seiten.

Die Lebenswelt von Ordensfrauen, genauer von Angehörigen der, ArmenDienstmägde Jesu Christi, ist das Thema der Monographie ,, NärrinnenGottes" von Gertrud Hüwelmeier, die 2003 als Habilitationsschrift an derHumboldt- Universität zu Berlin angenommen wurde. Vom Anspruch her hatdie Autorin mit diesem Buch verallgemeinerbare Einblicke in das Leben inweiblichen Ordensgemeinschaften gegeben. Die Grundlage der in fünfKapitel aufgeteilten Studie bilden teilnehmende Beobachtungen im Mutter-haus und in Konventen der Kongregation und lebensgeschichtliche Inter-views mit Nonnen.

Nach einer einführenden Einleitung, die die Fragestellung der Studienach weiblichen Ordensgemeinschaften im gesellschaftlichen Kontext so-wie innerhalb der( Geschlechter-) Forschung situiert, stellt die Autorin ineinem ersten Kapitel das Kloster in seinen räumlichen und sozialen Ord-nungen und Strukturen vor. Dabei wird auch die Geschichte weiblicherOrdensgemeinschaften im 19. Jahrhundert entfaltet und auf die Dynamikvon ,, Erneuerungsbewegungen eingegangen. Das zweite Kapitel mit demTitel ,, Inszenierungen" reflektiert die performative Auseinandersetzung derOrdensschwestern mit der Gründungsphase ihrer Kongregation. Das wach-sende Interesse von Kongregationen an der Geschichte des eigenen Ordenssowie an der jeweiligen Ordensstifterin, das sich zugleich in der steigendenZahl an Heilig- und Seligsprechungen durch Papst Johannes Paul II. spie-gelt, ist auch in der hier vorgestellten Gemeinschaft sichtbar: Als Autorinnenund Schauspielerinnen setzen die ,, Armen Dienstmägde Jesu Christi dieGeschichte der Ordensgründerin Katharina Kasper in einem Stück namens,, Närrin Gottes, das Gertrud Hüwelmeier als titelgebendes Stichwort fürihr Buch diente, in Szene und eignen sich auf diese Weise die Ordensge-schichte neu an. Diese Vergegenwärtigung des lebensgeschichtlichen Hin-tergrunds der Ordensgründerin stellt Gertrud Hüwelmeier als Identifikati-onsmöglichkeit mit der Kongregation und als wichtiges Moment im Prozessder ,, Erneuerung vor.

Das dritte Kapitel mit dem Titel, Erfahrungen rückt Ordensfrauenverschiedener Generationen in den Mittelpunkt, deren Werdegang und Mo-tivation zum Eintritt ins Kloster sowie deren Konflikte und Hoffnungennachgezeichnet werden. Dabei wird der Prozesscharakter des Klosterein-tritts im lebensgeschichtlichen Verlauf in seiner jeweils unterschiedlichablaufenden Dynamik deutlich. Generationale Unterschiede in der Ausbil-dung und Vermittlung religiöser Normen kommen zur Geltung wie diepersönlichen Probleme und Konflikte der unterschiedlichen Frauen- etwa