2005, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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nach Wiederherstellung eines harmonischen Ursprungszustands durch diePoetisierung der realen Welt eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt( z.B. bei Friedrich Schlegel oder Novalis). In diesem Kontext hätte auch derNationalsozialismus, auf den nur in einem knappen Absatz eingegangenwird, vermehrte Aufmerksamkeit verdient, waren doch vor allem mit ihmsympathisierende Intellektuelle anfällig für romantische Unterströmungenmit ihrer organisch- historischen Weltschau.( BR)
BRUNNER, Karl, Andrea GRIESEBNER, Daniela HAMMER- TU-GENDHAT( Hg.): Verkörperte Differenzen.(= Kultur. Wissenschaften,Bd. 8.3). Wien, Turia+ Kant, 2004, 245 Seiten, s/ w- Abb.
Der Band vereinigt die meisten Beiträge der Graduiertenkonferenz ,, Ver-körperte Differenzen“, die vom 24. bis 26. April 2003 an der UniversitätWien stattfand. Nach einer kurzen Einleitung der Herausgebenden und derschriftlichen Fassung des methodologischen Eröffnungsvortrags von MarenLorenz, die eine Naturalisierung der Kulturwissenschaften durch Soziobio-logie und Psychoanalyse kritisiert und stattdessen für eine historische Kon-textualisierung plädiert, folgen die Texte von Catherine Newmark zur Ideedes Körpers als Effekt anhand einer Analyse des Leib- Seele- Problems beiW. Wundt und S. Freud, von Nicola Gess zur geschlechtlich kodiertenWirkung von Musik auf den Körper, von Sandra Eder zur geschlechtsspezi-fischen Betrachtungsweise menschlicher Sexualität in den bio- medizini-schen Sexualwissenschaften der 1950er bis 1970er Jahre, von RenaudLagabrielle zur Darstellung des männlichen homosexuellen Körpers infranzösischen Kinder- und Jugendromanen, von Angela Püskül zur Bezie-hung von Mode und Geschlecht anhand der Romanfigur der garçonne, vonStefanie Duttweiler zu Körpertechnologien als Medien der Subjektivierunganhand der Beispiele Body- Consciousness als Selbsterfahrung, Fitness alsSelbstgestaltung und Wellness als Selbstsorge, von Irina Alexandra Feldmanzum ,, Othering" der indigenen Bevölkerung Brasiliens in( ethnologischen)Reiseberichten von Kolumbus bis Lévi- Strauss, von Eva Blome zum Körperals epistemologische Voraussetzung, als Gegenstand und als Forschungs-instrument in der klassischen und zeitgenössischen Ethnologie, von Christi-an Kravagna zu Subjektentwürfen und Identitätskonzepten in postkolonia-len Reisebildern sowie von Silke Büttner zur Erforschung von Praktiken derGeschlechterdifferenzierung in der mittelalterlichen Kunst. Aufgrund dergrossen Spannbreite an Themen und Ansätzen- auch wenn sich einige derAutorInnen auf Michel Foucault und Judith Butler berufen sowie der
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