Aufsatz in einer Zeitschrift 
Zwei Blicke auf einen Paradigmenwechsel : Bemerkungen aus Anlass des Symposiums über Eugenie Goldstern
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LIX/ 108, Wien 2005, 299–309

Mitteilungen

Zwei Blicke auf einen Paradigmenwechsel

Bemerkungen aus Anlass des Symposiums über Eugenie Goldstern

Klára Kuti

Zum Gedenken an Eugenie Goldstern veranstaltete das Wiener Volkskunde-museum vor einem Jahr eine Ausstellung: Die junge Frau jüdischer Herkunftführte zwischen 1912 und 1922 in den Alpendörfern Frankreichs und derSchweiz Feldforschungen durch, und sie schenkte ihre Sammlung voneinigen Hundert Objekten dem Volkskundemuseum Wien. Anlass der Aus-stellung und der anschließenden Tagung( Februar 2005) war, Eugenie Gold-stern, der im Zweiten Weltkrieg ermordeten Frau zu gedenken, und dieThematik, die volkskundlichen Konzepte, Forschungen und Methodik derVor- und Zwischenkriegszeit als eine Epoche der Wissenschafts- und Gei-stesgeschichte zu thematisieren. In diesem Tagungsbericht möchte ich we-der die wissenschaftliche Laufbahn Eugenie Goldsterns skizzieren voreinigen Jahren ist eine Biographie über ihr Leben erschienen-, noch möchteich die Vorträge der Tagung besprechen; in diesem Band sind die schriftli-chen Fassungen der Beiträge selbst zu lesen.

Ich möchte mich statt dessen mit einer einzigen Frage auseinandersetzen,die mich in den zwei Tagen der Tagung ständig beschäftigte: Wie kann essein, dass für mich, für eine in Ungarn ausgebildete Ethnographin, diewissenschaftsgeschichtliche Epoche, in der Eugenie Goldstern wirkte, diemethodischen Ansätze, die auch ihre Arbeit charakterisierten, das wissen-schaftliche- persönliche Netzwerk, das ihre Arbeit wesentlich beeinflußte,namentlich Michael Haberlandt, Leopold Rütimeyer usw., also das gesamtewissenschaftliche Umfeld um Eugenie Goldstern als Bestandteil einer kon-tinuierlichen und gegenwärtigen Disziplingeschichte vorkam, in der sieselbst wissenschaftlich sozialisiert wurde. Ganz anders empfanden dasoffensichtlich die Vertreter der österreichischen, deutschen, schweizeri-schen und französischen Disziplin. Nochmals, anders formuliert: Für dieVertreter der westlichen Ethnowissenschaften ist die Disziplingeschichteder Zwischenkriegszeit eine abgeschlossene Epoche, vor einem ausgepräg-ten, charakteristischen Paradigmenwechsel. Sie gehört dennoch zur Ge-