Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LIX/ 108, Wien 2005, 333-364
Literatur der Volkskunde
BADURA, Matthias: ,, Herr, nimm Du die Warzen mit!" Laienmedizini-sche Praktiken in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb(= Studien&Materialien des Ludwig- Uhland- Instituts der Universität Tübingen, Bd. 26).Tübingen, Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 2004, 142 Seiten.
Matthias Badura legt eine Studie vor, die„ vom Gegenstand her nichtsanderes als klassisch zu nennende, Volksmedizinforschung ist“( S. 31) –wobei es sich bei diesem Gegenstand konkret um das ,, Warzenabbeten"handelt, das hier als Exempel ,, magisch- konfigurierter Heilpraxis" und,, zeittypischen Medikalverhaltens“( S. 13) betrachtet wird. Und auf den mitsolcher Begrifflichkeit bereits angedeuteten interpretativen Zugang weistauch der einleitende Abriss zur sach- und fachgeschichtlichen Entwicklungvon ,, Volksmedizin“, die hier quasi labelingtheoretisch als ein„, konstituier-tes Phänomen", als ein„, von einer Minderheit" diesfalls den medizini-schen und volkskundlichen Definitionsinstanzen-„ einseitig geschaffenesKonstrukt“( S. 36) gesehen wird, als ein Konstrukt, wie es vorrangig viaHausväter-, Heil- und Zauberbuchschrifttum vermittelt wurde und bei des-sen Behandlung sich für den Autor ,, der Verdacht[ erhebt], dass sich dieVolkskunde mehr als ein halbes Jahrhundert lang immer wieder das eigeneWasser auf die Mühlräder ihrer Erkenntnis gegossen hat“( S. 46). Gleichesgilt für die magisch- abergläubischen Ingredienzien alternativ- laienmedizi-nischer Praxis wie insgesamt für die volkskundliche Aberglaubensfor-schung, deren ideen- und ideologiegeschichtlichen Ursprüngen und Leitli-nien ebenfalls ein sekundärliteraturträchtiger Vorspann gewidmet ist.
Solcherart mit Distanz gewappnet, geht es ins Feld- also in das anonymi-sierte Albdorf Ingen, wo die( Gebets-) Therapie einer hier allseits bekanntenund anerkannten Heilerin als ein„, schlecht gehütetes Geheimnis“( S. 19)wie selbstverständlich in Anspruch genommen wird. Badura schildert daszur Diskussion stehende Phänomen des„, für die Warzen Tuns[= Betens]"aus der Perspektive„ der Frau“( wie er seine heilkundige Gewährspersonmit kaum verhohlenem Respekt nennt) und aus der Perspektive der„, An-wender". Erstere, die zum Erhebungszeitpunkt 75jährige, aus agrarwirt-schaftlichem Milieu stammende und katholisch tief geprägte Anna R.,scheint als eine„ aufgrund ihrer bäuerlichen Sozialisation und familiärerUmstände[...] stark an Traditionen gebundene Persönlichkeit“ in der ,, Hei-