Jahrgang 
108 (2005) / N.S. 59
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIX/ 108

HOLMBERG, Christine: Diagnose Brakrebs. Eine ehnographischeSdie ber Krankheitud Krankheiterleben. Frankfurt am Main/ New York2005, 240 Seiten.

,, Krebs ist in unserer Gesellschaft eine Todesmetapher( S. 118), schreibtChristine Holmberg und knüpft damit die Verbindung zwischen den symbo-lischen Anteilen einer Krankheit und deren realem Substrat. Sie untersuchtin ihrer ethnographischen Studie, wie die Symbolisierung der Krankheitdurch die Diagnose Brustkrebs' sich auf Frauen auswirkt, die noch keineZeichen von Krankheitssymptomen aufweisen und wie diese zu Patientin-nen werden. Gerade die Verbindung der Krankheit Brustkrebs mit demKrankheitserleben von Frauen und dem Komplex der Biomedizin" machtdabei Christine Holmbergs Buch zur aufschlussreichen Lektüre. In vierKapiteln analysiert die Autorin, basierend auf konstruktivistischen Ansät-zen, nicht nur den Zusammenhang von Krankheit, Gesundheit und Medizin,sondern auch die dazugehörigen Machtinterdependenzen und wie Wissenund Diskurs eine soziale Praxis ausbilden und so Realitäten im Leben vonEinzelnen produzieren.

Die Biomedizin, also jenes legitime Medizinsystem, welches auf natur-wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhend Diagnosen von Krankheitenstellt, Erklärungen für dieselben liefert und diverse Behandlungen zurVerfügung stellt, wird von Christine Holmberg als soziales und kulturellesPhänomen betrachtet,, welches über bestimmte kulturelle Vorstellungenund soziale Praktiken Wissen herstellt und vermittelt. Anhand dieses Wis-sens werden' Krankheiten' konstruiert.( S.15) Über dieses Verständnis wirddie Biomedizin aus ihrer Allmächtigkeit herausgehoben und in einen größe-ren soziokulturellen und historischen Rahmen eingebetet. Und in diesemRahmen beschreibt Christine Holmberg, wie das System der Biomedizin alsAnbieter von Deutungen, Erklärungen, Technologien, etc. einem kreativenUmgang von Seiten der Individuen begegnet und so in gegenseitiger Aus-handlung um die Krankheit und ihre Symbolisierung das persönliche Krank-heitserleben geschaffen wird.

In der Einleitung werden Hintergrund, Fragestellung und Vorgehens-weise der Arbeit in diesem Sinne erläutert und das Krankenhaus, als Ort derBiomedizin, bildet das erste große Kapitel. Ethnographisch werden diealltäglichen Abläufe auf der gynäkologischen Onkologie, wo die Autorindrei Monate als Praktikantin und in Folge als Forscherin in einem BerlinerKrankenhaus tätig war, beschrieben. Von der ersten Aufnahme, der Erstel-lung der Akte, welche die Krankengeschichte der Frau für die Ärzte zugän-gig macht, dem Aufenthalt an sich, bis hin zu den teilweise lebenswichtigenEntscheidungen, welche die Patientinnen treffen müssen, wird das Kranken-