Jahrgang 
108 (2005) / N.S. 59
Seite
338
Einzelbild herunterladen
 

338

Literatur der Volkskunde

ÖZV LIX/ 108

schließen: sie kann sich auf den Tod zubewegen oder sich unterschiedlichenBehandlungen unterziehen; was immer sie tut, sie erfährt- laut ChristineHolmberg eine grundlegende Transformation. Diese sei ein Zustandabsoluter Unbestimmtheit und Potenzialität( S. 143), führe zur Vereinze-lung und löse gleichzeitig die Grenzen des Individuums auf, so dass sozialeDifferenzen oder andere strukturelle Bedingungen bedeutungslos werden.

Im vierten und letzten Kapitel, Auf der Suche nach Leben, berichtet dieAutorin dann vom Verlassen des liminalen Zustandes. Die große Geschichte,, Krebskrankheit wird für Ärzte und Patientinnen zu jenem Instrument,welches die Biomedizin in die persönliche Geschichte der( kranken) Fraueingliedert. Die Autorin verweist darauf, wie wichtig Vertrauen und Ehrlich-keit in einem gegenseitigen Aushandlungsprozess sind und beschreibt Wi-dersprüche, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden können. Analy-tisch genau werden dabei Beispiele angeführt, wie die Narrative des Arztesvom biomedizinischen Wissen zum ständigen Anzeiger der Realität wirdund ständigen Überprüfungen standhalten muss, sowie Erklärungen für dieVergangenheit und Hoffnung für die Zukunft bieten soll.

Abschließend widmet sich die Autorin der Frage, ob es nach einerTransformation, von der Diagnose, über die Behandlung, bis hin zumoperierten andersaussehenden Körper, ein Zurück in das normale Lebengeben kann. Und sie beschreibt, wie sich vor allem die Körperwahrnehmungnachhaltig verändert:, Durch die symbolische Kraft, die, Krebs' in unsererGesellschaft hat, bleiben die Frauen Menschen, die Krebs überlebt haben.Sie waren Todgeweihte und sind zurückgekehrt.( S. 209) In den Hinter-grund tritt dabei, dass das Überstehen dieser Krankheit auch so etwas wieein gewisses ,, Kapital" in sich bergen kann. Daher wäre es wünschenswert,doch eine intensivere Auseinandersetzung mit dem zu wagen, was vonChristine Holmberg als, normales" Leben bezeichnet wird, da es eventuellAufschluss darüber gibt, warum Frauen Krebs bekommen und welchenStellenwert die ,, Krankheit für sie nicht nur im eigenen Erleben, sondernin der Interpretation des eigenen Lebens hat.

Katerina Kratzmann

Volkskunde in Sachsen 16( 2004). Schriftleitung Johannes Moser unterMitarbeit von Sönke Friedreich, Petr Lozoviuk und Andreas Martin. Dres-den, Thelem Universitätsverlag, 2004, 284 Seiten, s/ w Abb.

Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.( ISGV) ent-wickelte in den letzten Jahren mit seinen Reihen( ,, Schriften zur sächsischen