Jahrgang 
108 (2005) / N.S. 59
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIX/ 108

Realschulen; somit sind diese beiden Beiträge die einzigen, die, wie es derTitel des Bandes verspricht neue Wege" der Ethnologie in die Öffentlich-keit dokumentieren und aufzeigen. Eine von Christoph Antweiler zusam-mengestellte und kommentierte Bibliographie zum Thema ,, Popularisierungund populäre Ethnologie" beschließt das Buch.

Eine These durchzieht explizit oder implizit alle Beiträge: Die Vermitt-lung von Ethnologie soll der rationalen Aufklärung über die Chancen undGrenzen der eigenen Gesellschaft im politisch- philosophischen Sinne die-nen. Für ,, populäre Vorstellungen gibt es empfohlene Reaktionen bezüg-lich ,, Klischees zum Gegenstand der Ethnologie, auf die korrigierend ein-gegangen werden soll( S. 112). Dieses( zweifellos notwendige) explizitaufklärerische, implizit aber auch modernisierungstheoretische Programmstößt freilich an seine Grenzen angesichts der rezenten, sehr populärenesoterischen Indienstnahmen und Verballhornungen ethnologischer Themenund Befunde: Weil es Phänomenen und Praktiken der Spiritualität mitAufklärung und damit gewissermaßen mit einer Wiederholung der Säku-larisierung gegenübertritt, vermag es die spezifische Dynamik esoterischerNutzung ethnologischer Themen in einer säkularisierten Gesellschaft nichtin den Blick zu nehmen.

Elisabeth Timm

KÜSTER, Bärbel: Matisse und Picasso als Kulturreisende. Primitivismusund Anthropologie um 1900. Berlin, Akademie Verlag, 2003, 243 Seiten, 76Abb.

Der Titel deutet es bereits an: Hinter ,, Matisse und Picasso als Kulturreisen-de" verbirgt sich nicht nur eine kunsthistorische Abhandlung, sondern esgeht der Autorin Bärbel Küster um mehr. Sie blickt ihren ProtagonistenMatisse und Picasso gewissermaßen bei der Arbeit über die Schulter undführt vor, woher manche der sogenannten primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Motive und Formkri-terien eigentlich stammen. Sie möchte zeigen, dass sich hinter Primitivismusnicht nur ein Stilbegriff der Kunstgeschichte verbirgt, sondern es sichvielmehr um eine kulturelle Praxis" handelt, die von anthropologischenAnsätzen und insbesondere von deren Visualisierungen geprägt ist. DasResultat ist ein höchst interessantes und lehrreiches Buch, das sehr dicht istund klug durchkomponiert.

In der Einleitung beschäftigt sich Bärbel Küster mit Konstruktionen vonPrimitivismus, wie sie die kunsthistorische Forschung im Laufe des 20.Jahrhundert vorgenommen hat. Sie erörtert die Werke, die das zumeist