2005, Heft 2-3
Literatur der Volkskunde
349
WIENKER- PIEPHO, Sabine, Klaus ROTH( Hg.): Erzählen zwischenden Kulturen.(= Münchener Beiträge zur Interkulturellen Kommunikation,Bd. 17; hg. v. Klaus Roth und Alois Moosmüller). Münster u.a., Waxmann,2004, 345 Seiten.
=
Der Bedeutung des Erzählens als einer„, kulturelle[ n] Kraft, mit der manrechnen muß, ist auch im Laufe der letzten Jahre mehrfach besondereAufmerksamkeit in kulturwissenschaftlichen Standortbestimmungen ge-widmet worden. Einem befürchteten Verschwinden kultureller Unterschie-de im Kontext von Globalisierung und Transnationalität, von Mobilität,Migration und Diaspora, von wachsender medialer Vernetztheit u.a.m.-wurde dabei öfters der Befund oder zumindest das Deutungsmuster einerKonjunktur des Erzählens entgegengesetzt. Eine der am weitesten gehendenSchlussfolgerungen, die daraus gezogen wurden, bestand darin ,, Kultur“, ineinem vergleichsweise engen Sinn, mit Hilfe eines auffällig weiten Begriffsdes Erzählens und der Erzählung( en) zu umschließen und als( vorwiegend)narrativ konstituiert anzusehen.² Dass ein solches Konzept gerade aus Sichtder Volkskunde/ Europäischen Ethnologie eine Reihe von Fragen und Zwei-feln offen lässt, liegt nahe. Es ist deshalb spannend und hilfreich, sich nachden Antworten einer modernen Narrativistik umzusehen, wie sie innerhalbunseres Fachs, aber auch über disziplinäre Grenzen hinweg durch die 1997gegründete Kommission für Erzählforschung der Deutschen Gesellschaftfür Volkskunde( DGV) vertreten wird.
Möglichkeiten dazu bietet der von Sabine Wienker- Piepho und KlausRoth herausgegebene Band, Erzählen zwischen den Kulturen. Er ver-sammelt zwanzig ausgewählte Referate der zweiten Arbeitstagung der Kom-mission, die im September 2002 an der Universität Augsburg stattgefundenhat. Basierend auf einem„ breite[ n] Konzept des Erzählens zwischen denKulturen“( S. 15) sollten dort namentlich die Möglichkeiten einer Zusam-menarbeit zwischen den( akademischen) Kulturen der volkskundlichenErzählforschung und des Münchener Forschungsschwerpunkts der Interkul-turellen Kommunikation( IKK) ausgelotet werden. Einen, ja vielleicht den
1 Bal, Mieke: Kulturanalyse. Hg. und mit einem Nachwort versehen von ThomasFechner- Smarsly und Sonja Neef. Aus dem Englischen von Joachim Schulte.Frankfurt am Main. 2002, S. 9.
2 Vgl. Müller- Funk, Wolfgang: Die Kultur und ihre Narrative. Eine Einführung.Wien u. New York 2002, S. 17.
3 Vgl. dazu u.a. den Bericht: Schmitt, Christoph: Erzählen zwischen den Kulturen.2. Tagung der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaftfür Volkskunde. Augsburg, 1.- 5. September 2002. In: Fabula, 44( 2003), S. 140–144.