Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LIX/ 108, Wien 2005, 449–465
Literatur der Volkskunde
LANGREITER, Nicola: Einstellungssache. Alltagsstrategien und-prak-tiken von Tiroler Gastwirtinnen. Wien, Turia und Kant Verlag, 2004, 254Seiten, s/ w- Abb.
Das Umschlagfoto führt mitten hinein ins Dilemma der hier beforschtenUnternehmerinnen: Wer bei dem Titel an freundliche und resolute jungeFrauen im Dirndl vor sattgrünen Almen denkt, sieht sich enttäuscht ange-sichts der drohenden dunklen Trutzburg, die ein Gasthof sein könnte. DieAbbildung ist Programm. Nikola Langreiter ist nicht an einer weiterenAußensicht auf die Illusionsmaschine Tourismus interessiert, sondern re-konstruiert anhand narrativer Interviews mit 13,, Touristikerinnen“( S. 7)die Binnenperspektive auf die harte Arbeit, die es braucht, um aus der kaltenFestung ein warmes Heim zu zaubern. Die 2002 als Dissertation eingereich-te Studie ist damit an der Schnittstelle von kulturwissenschaftlicher Touris-musforschung, Arbeitskulturforschung und den Gender Studies zu verorten.
In fünf Kapiteln will sich Langreiter den Alltagspraxen der Gastwirtinnenannähern und sich damit von anderen Arbeiten der Tourismusforschungabsetzen. Anhand der verwendeten Quellen- zusätzlich zu den InterviewsAuszüge aus Literatur, Printmedien und( Werbe-) Erzeugnissen aus demBereich des Touristikmanagements und der Unternehmensberatung- lassensich jedoch nur Repräsentationen der Alltagspraktiken oder Deutungen desjeweiligen Handlungsrahmens untersuchen. Eine Rekonstruktion der ,, Ar-beitsalltage"( S. 51) lässt sich damit nicht erreichen.
Nach einem kurzen Überblick über den aktuellen Stand der Tourismus-forschung und Arbeiten aus den Gender Studies über ,, gewerbe- und han-deltreibende Frauen“( S. 10) formuliert Langreiter ihr Erkenntnisziel undihr methodisches Vorgehen: ,, Jene Themen, die in den Interviews wichtigsind( und wichtig können auch wenig angesprochene Bereiche, kann auchnur Angedeutes sein), geben die Schwerpunkte vor. Davon ausgehendwerden Kontexte gewirkt und Literraturrecherchen unternommen- beides,wie erwähnt, assoziativ und möglichst breit.“( S. 19) Die Auswahl derentsprechenden Fundstücke wirkt manchmal bemüht: Bei einer zitiertenPassage aus einem Reiseführer von 1869 etwa fällt mit der Betonung der,, wahren und wirklichen Gebirgsschönheit“ und der Beschreibung ihrerkörperlichen Vorzüge eher der geschlechtsspezifische Aspekt der Beziehung