Jahrgang 
108 (2005) / N.S. 59
Seite
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2005, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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umdeuten: ,, Es ist überhaupt nicht eintönig, und das gefällt mir. Das istwas und natürlich- man ist immer unter verschiedenen Leuten, und wennman einen zufriedenen Gast sieht, das natürlich ist das Schönste, was esgibt( S. 59).

Insgesamt wird deutlich, daß der Einzug des Tourismus ins Zillertal einedurchaus umkämpfte Angelegenheit war, daß man die Einwohnerschaft zur,, Gastfreundlichkeit( S. 13) ebenso erziehen mußte wie die TouristikerIn-nen zu ihrem Arbeitsethos. Letzteres mußte bei den weiblichen Berufs-tätigen im Gastgewerbe aufgrund der diskursiven Gleichsetzung der gefor-derten Kompetenzen in dieser Branche mit den traditionell als weiblichdefinierten Stereotypen ungleich besser glücken. Wie die von ihr befragtenGastwirtinnen die gesellschaftlichen Zuschreibungen in ihr Selbstbild inte-grieren und die auf sie wirkenden Zwänge letztlich reproduzieren, weistLangreiter mit ihrer Studie schlüssig nach. Darüber hinaus leistet sie einenwichtigen Beitrag zur interdisziplinären Methodendiskussion über dieSelbstreflexivität sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung. Nichtzuletzt ist es Langreiter gelungen ,,, eine differenziertere Auseinanderset-zung mit(...) Frauen im Geschäftsleben und Unternehmerinnen, zugleichein Ernstnehmen und Aufwerten von deren alltäglichen, lebensgeschichtli-chen Erfahrungen( S. 35) zu erreichen.

Blanka Koffer

GRIESHOFER, Franz( Hg.): Ur- Ethnographie. Auf der Suche nach demElementaren in der Kultur Die Sammlung Eugenie Goldstern.(= Kataloge desÖsterreichischen Museums für Volkskunde Bd. 85), Wien, ÖsterreichischesMuseum für Volkskunde, 2004, 155 Seiten, zahlr. Farb- Abb., graph. Darst.

Hin und wieder gibt es Ausstellungen, die sollte man einfach gesehen haben.Zum Beispiel die Schau ,, Ur- Ethnographie. Auf der Suche nach dem Ele-mentaren in der Kultur. Die Sammlung Eugenie Goldstern" im Österreichi-schen Museum für Volkskunde in Wien. Glücklicherweise publiziertenFranz Grieshofer und sein Team( Kathrin Pallestrang und Nora Witzmann)nun für alle, die sie verpasst haben( wie zum Beispiel die Autorin dieserRezension), einen wunderbaren Ausstellungsband, mit dem man sich überdas Versäumte hinweg trösten kann.

Diese Begleitpublikation bietet neben einem ausgesprochen großen undschön gestalteten Bildteil einen interessanten Einblick in die Fachgeschichteder Volkskunde. Mittels einer Sammlung von Objekten der alpinen Kulturund der Biografie der Sammlerin, Eugenie Goldstern, erschließen die Auto-