Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LIII/ 102, Wien 1999, 49–66
Chronik der Volkskunde
Hans Christian Tschiritsch: Phono- InventionenEine Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskundeaus der Reihe“ vom 21. Jänner bis 5. April 1999
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Mit Phono- Inventionen präsentiert das Österreichische Museum für Volks-kunde wieder eine Ausstellung ,,... aus der Reihe“. Es verläßt seine gewohn-ten Bahnen, um sich mit dem Werk eines Künstlers unserer Zeit auseinan-derzusetzen. Mit Hans Tschiritsch's Phono- Inventionen. Es sind das keineMusikinstrumente im herkömmlichen Sinn, sondern außer- gewöhnlicheGebilde, die auf den Betrachter zunächst wie bizarre Skulpturen wirken. Essind Kreationen, die scheinbar einem künstlerischen Selbstzweck dienen,tatsächlich aber interessante Experimente darstellen, mit denen sich der amBurgtheater als Bühnenmusiker und Geräuschmeister tätige Instrumenten-bauer und Komponist auf die Suche nach den Wurzeln der elementarenMusik begibt. Hans Tschiritsch spürt mit seinen Instrumenten den Urformender Musik nach, indem er sie in einzelne Geräusche und Töne zerlegt, umsie im Zusammenspiel mit anderen wieder neu zu Weltmusik zu arrangieren:als Tschiritsch's Urwerk.
Hans Tschiritsch, unverkennbar gestylt, geht seinen eigenen Weg. AlsMusiker und Philosoph, als Individualist und Idealist. Ein Wiener Original,allerdings nicht von der gemütlichen Art, sondern eines, bei dem Werk undPerson zu einem Ganzen verschmolzen sind.
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Warum aber Hans Tschiritsch im Österreichischen Museum für Volkskun-de? Bei aller Einzigartigkeit und Skurrilität – oder gerade deshalbHans Tschiritsch im Trend der Zeit. Er verkörpert jenen Paradigmenwechsel,der an Zeitenwenden immer besonders virulent wird und der sich in derAbkehr von der Übertechnisierung und von der Profitmaximierung einesschrankenlosen Kapitalismus, im Widerstand gegen die Uniformierung ei-ner globalen Zivilisation, im Kampf gegen die Zerstörung der Natur und dieAusrottung bedrohter Völker zeigt. Diese Wende ist geprägt durch die Suchenach Alternativen, durch die Hinwendung zur Esoterik, zum Kult. War esam Ende des 18. Jahrhunderts das Wilde, dem das Interesse der aufgeklärtenWelt galt, so wandte man sich am Ausgang des 19. Jahrhunderts demPrimitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven zu. Vor allem die Künstler entdeckten damals die Kunst derUrzeit, der Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölker, der Naiven und – die Volkskunst. Gegen Ende des