Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LIII/ 102

Dazwischen. Zur Spezifik der Empirien in der VolkskundeDGV- Hochschultagung am 1. und 2. Oktober 1998 in Wien

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Das Tagungsthema ,, Dazwischen. Zur Spezifik der Empirien in der Volks-kunde sollte nach Jahren des Paradigmenwechsels, der Theorien- undMethodenfindung sowie der anschließenden Positionswertung des Fachesinnerhalb der vergleichenden Sozial- und Kulturwissenschaften einenSchlußstrich unter die eigene Nabelschau ziehen helfen und das neue Selbst-bewußtsein der Volkskunde/ Europäischen Ethnologie darstellen. Die Ta-gung sollte zeigen, was mit welchen Quellen und Methoden zu erreichen ist( Rolf W. Brednich). Diese hohen Erwartungen waren an die Auseinander-setzung mit zentralen Fragen des Faches, der Fachgeschichte wie der Schul-traditionen geknüpft. Daß das Thema gut gesetzt war und noch immer heißeEisen aufgriff, zeigten die Verunsicherung, die es bei vielen stiftete, dieMißverständnisse, die anfänglich daraus entstanden waren. So gesehenerwies sich diese Tagung als eine fokussierte Zusammenfassung vielervorhergehender Veranstaltungen, die zur Supervision und Neupositionie-rung zwang.

Die ,, Spezifik der Empirien in der Volkskunde wurde einerseits fachge-schichtlich dargestellt und andererseits auf Forschungspraxis und Lehrauf-trag hin diskutiert. Daß es noch immer der Debatte bedarf und daß sich dieVolkskunde in den Augen vieler auch nach Jahrzehnten noch zu keinemsicheren Selbstverständnis durchgerungen hat( wenn man dieses aus-schließlich an allgemein gültigen Methoden miẞt), ging daraus hervor. Aberauch die Erkenntnis, daß Schulen, Sichtweisen und Begriffe selbst histori-sche Phänomene, selbst Symbole sind, die durch neue Entwicklungen, inden Wissenschaften wie in der Gesellschaft, immer neue Zugänge bzw.Korrekturen notwendig machen. Das führte zur( nicht nur artikulierten,sondern vertieften) Erkenntnis, daß auch Methodenlehren zeit- und genera-tionsbedingt und daher Grundstrukturen des Faches gefordert sind, inner-halb derer die ,, Plausibilität der Methoden und der damit gewonnenenErkenntnis an deren jeweiliger gesellschaftlicher Relevanz( Albrecht Leh-mann) immer wieder neu gemessen werden kann. Diese Grundstrukturenund Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens zu vermitteln, muß daherauch zentrale Aufgabe der akademischen Lehre sein.

Eine ,, Wissenschaft vom kulturellen Eigenen, vom ,, räumlich, zeitlichund sozial Nahen" muß Distanzen schaffen, um Ordnungen und Typologienzu finden, Theorien zu entwickeln und dadurch Erkenntnisse zu gewinnen( Helge Gerndt). So wurde die Tagung auch zu einem Spiegel der Befind-lichkeit des Faches und zum Fingerzeig, daß kulturbezogene Forschung sich