Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
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1999, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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freilich das Verfahren der Individualisierung, der Autopoesis des Menschen,die etwa auch im Marxismus ein Rolle spielt, mit der Arbeitsauffassungabgleichen.

Wie darf man einen solchen Text nennen? Ich halte ihn für ein Kabinett-stück, das die Geschichte einer Devise mit der Geschichte des Fachs undseines Umfeldes verknüpft und das die für die Modernisierung zentrale Ideeder Arbeit und die diesem Prozeß innewohnenden Potenzen zu Perversionenaufschlußreich und kundig ausleuchtet.

Konrad Köstlin

SCHENDA, Rudolf: Gut bei Leibe. Hundert wahre Geschichten vommenschlichen Körper. München, Verlag C. H. Beck, 1998, 437 Seiten mit11 Abb., ISBN 3-406-441110-6.

Es ist immer aufschlußreich, mit welchen Worten ein Verlag selbst seineBücher in Klappentexten, auf Buchrücken oder in den Verlagsprospektenanpreist, geschieht dies doch in der Regel auf Vorschlag oder doch mitEinverständnis des Autors. Diese textlichen Verpackungen sind dabei so-wohl Selbstsicht als auch eine auf breitere Käuferschichten zielende Wer-bung. In diesem Sinne darf die Rezensentin hier vielleicht zunächst einmalaus dem Klappentext von Schendas neuem Buch zitieren: Körper habengegenwärtig Konjunktur: Sie werden trainiert, getrimmt, gepflegt, derSchlankheitskult treibt täglich neue Blüten. Nichts erscheint uns selbstver-ständlicher als die gestylten Schönen in den bunten Journalen. Gleichzeitighat sich die medizinische Wissenschaft in unserem Jahrhundert zu einerernsthaft aufgesuchten und ebenso seriös geübten Institution entwickelt, inder für Nebendinge, wie das Erzählen von fesselnden Krankheits- undHeilungsgeschichten oder von den Eingriffen tüchtiger Ärzte höchstens imWartezimmer, also in der Vorhalle des Äskulaptempels, ein Plätzchenbleibt."

Um diese ,, Nebendinge, also um das Erzählen, geht es dem Autor, derals einer unserer namhaftesten volkskundlichen Erzählforscher ausgewiesenist. Dabei liegt ihm zuvörderst an Rekonstruktionen, an Traditionen, anVergangenem, und so fährt denn der Klappentext auch fort: ,, Das war nichtimmer so. Anhand von unterhaltsamen Geschichten und medizinischenBerichten, von literarischen Beispielen, Redensarten und Sprichwörtern ausganz Europa zeigt Rudolf Schenda, wie frühere Zeiten mit dem Leib verfuh-woher unsere Körperbilder und Körpermythen stammen und wie siesich im Lauf der Neuzeit gewandelt haben. Er erzählt von den Kunstfertig-

ren