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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
DREO, Harald, Sepp GMASZ( unter Mitarbeit von Walter DEUTSCH,Annemarie GSCHWANTLER und Herbert ZEMAN): BurgenländischeVolksballaden(= Corpus Musicae Popularis Austriacae 7). Wien/ Köln/ Wei-mar, Böhlau, 1997, 295 Seiten, Abb., mus. Not. 1 CD.
Der seit 1993 siebente(!) Band der Reihe dokumentiert 44 Balladen,, sangbare Lieder epischen Charakters“( Seemann)- durch insgesamt 312Varianten, von denen jene, die den Autoren ,, am substantiellsten erschienen"in extenso, also mit Noten und Text, wiedergegeben sind, die anderen nurmit entsprechenden Belegzitaten, wobei aber textliche Abweichungen vonden Hauptbelegen angeführt sind. Die überwiegende Mehrheit des Materialsstammt aus den Beständen des Burgenländischen Volksliedarchivs undwurde durch Belege aus Privatarchiven sowie gedruckten Liedersammlun-gen und Fachbüchern ergänzt. Die Balladen sind nach ihrem Inhalt in sechsGruppen angeordnet( Liebe, soziale Konflikte, Verbrechen und Unglücks-fälle, Übersinnliches, Legende, Schwank) sowie mit einer vergleichendenInhaltsanalyse und einem Kommentar versehen. Dieser bezieht sich aufGeschichte und Verbreitung der Ballade, enthält z.T. aber auch musikanaly-tische Bemerkungen. Unter Auswertung einer umfangreichen Literatur ge-lingt es, die einzelnen Balladen im gesamteuropäischen Zusammenhang zubehandeln und so gleichzeitig die Besonderheiten der burgenländischenÜberlieferung aufzuzeigen.
Diesem Hauptteil des Bandes ist ein Kapitel vorangestellt, in dem SeppGmasz in einer vom Allgemeinen( Was ist eine Ballade, Balladenforschungin Deutschland und Österreich) zum Besonderen( Balladenforschung imBurgenland und in deutschsprachigen Dörfern Ungarns, Quellenlage) fort-schreitenden Darstellung den gegenwärtigen Forschungsstand darlegt, aufdie Funktion der Volksballade hinweist und den Überlieferungsträgern eineigenes Unterkapitel widmet. Wie schon in früheren Publikationen wirdauch hier evident, daß der Terminus ,, Ballade“ eine Schöpfung literarischerKreise ist und den Sängern nicht oder kaum bewußt war.
Der offensichtliche Zeitdruck, unter dem die Edition erstellt wurde,dürfte zum einen für die außerordentlich kurz geratenen ,, literarhistorischenAnmerkungen" Herbert Zemans, welche an den Hauptteil der Arbeit an-schließen, zum anderen für die Ungenauigkeiten in den darauf folgenden,, Anmerkungen zu den Melodien“ von Walter Deutsch verantwortlich sein.Hier werden durch Gegenüberstellung einiger in der Publikation angeführterMelodien mit solchen aus anderen deutschsprachigen Landschaften spezi-elle Ausprägungen ein und desselben Melodietyps aufgezeigt und begründet( Einfluß einer mehrstimmigen Praxis, Anklänge an Lieder im Volkston,Kontrafakturen und Metatyp). Der Nachvollzug der Ausführungen wird