Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
83
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1999, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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Mit der erwähnten dritten Ebene sprengt dieses Werk erheblich denregionalen Rahmen des vorgegebenen Themas, der im Titel ,, Frauen-volkstrachten in Istrien" ausgedrückt ist. Die anfängliche Beschäftigung mitdem Gebiet Istriens wird bis hin zur Problematik eines Großteils des euro-päischen Raumes in vor- und frühgeschichtlicher Zeit ausgedehnt. Zugleichwerden die grundlegenden Fragestellungen der allgemeinen geschichtlichenEntwicklung der Kleidung berührt. Lobenswert ist der Verlagsbeschluß, dieabschließende Abhandlung ins Englische und Italienische zu übersetzen.

Es bleibt nur zu hoffen, daß dieses in schönem Stil geschriebene Buch,dem eine beachtenswerte fachliche und wissenschaftliche Kompetenz,Kunstsinnigkeit und nicht alltägliche Imagination zugrunde liegen, mög-lichst bald den Weg zu seinen Lesern findet.

Alesandra Muraj

FORSTER, Inge und Rudolf: Pyhrn- Eisenwurzen. Geschichte, Kultur,Natur, Ausflüge, Wanderungen und angenehme Plätze zwischen Alm- undEnnstal, Alpenvorland und Totem Gebirge in Oberösterreich. Wien, Falter-Verlag, 1998. 432 Seiten.

Es ist ein schönes Land die Gegend zwischen dem Mostviertel und demSalzkammergut, zwischen den endlosen Weiten des Alpenvorlands und denschroffen Gebirgszügen des Toten Gebirges. Die Rede ist von der wildro-mantischen Region Pyhrn- Eisenwurzen, einem landschaftlichen und kultu-rellen Herzstück Oberösterreichs. Das ist das Land der wilden Bäche, derdunklen Wälder und der engen Täler. Eine über Jahrhunderte gewachseneKulturlandschaft. Eine Kulturlandschaft mit herbem Charme und histori-scher Tiefe. Eine Landschaft, die dazu einlädt, eine Reise zu unternehmenin eine große Vergangenheit. Der Falter- Verlag hat nun in seiner Reihe der,, feinen Reiseführer" dieser Region ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt.

Kommt man in das Land, wo die Täler enger, die Berge höher, dieOrtschaften kleiner und die klimatischen Bedingungen rauher werden, sospürt der Besucher unweigerlich das vielschichtige industrielle Erbe. Hierist seit dem Mittelalter eine Kultur zu Hause, die bis heute prägend ist undderen Spuren man noch an allen Ecken und Enden wahrnehmen kann. Hierist seit Jahrhunderten die Kleineisenindustrie beheimatet. Und auf Schrittund Tritt wird man an Müh' und Plag' früherer Tage erinnert. Stampfende,dröhnende Eisenhämmer und ratternde Mühlräder prägten die lauschigenTäler der Eisenwurzen. Hier fand man in früheren Tagen alle Voraussetzun-gen, die für Standorte der Eisenverarbeitung notwendig waren: gut nutzbare