Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIII/ 102

Sommerakademie Volkskultur. 1995: Ordnungen- 1996: Spiele. Hg. vonWalter Deutsch und Maria Walcher, unter Mitarbeit von Franziska Pietsch,Michaela Bodl, Dorli Draxler und Annemarie Gschwantler, Wien 1997. 354Seiten, ISBN 3-901490-02-0.

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Die Sommerakademie Volkskultur wird seit einigen Jahren vom Österreichi-schen Volksliedwerk organisiert und entwickelt sich zu einer wichtigen Einrich-tung, die allen ,, Volkskulturarbeitern" Impulse und Anregungen sowie Antwor-ten auf elementare Fragen in ihrem Tätigkeitsbereich zu geben versucht. Dieumfassenden Dokumentationen zu den ersten drei Veranstaltungen- ,, Musik"( 1992) ,,, Volkskultur( 1993) und, Weg und Raum( 1994) sind bereitserschienen. Nun wurde auch der vierte Band, der die Beiträge zu den beidenThemen Ordnungen( 1995) und Spiele( 1996) vereint, vorgelegt. Hier zeigt sichwieder, wie umfassend und vielschichtig ein allgemeines Thema gesehen undbesprochen werden kann, und so finden sich hier kleinere und größere Aufsätzeaus Philosophie, Pädagogik, Germanistik, Volkskunde, Theologie, Politik, So-ziologie, Rechtswissenschaft, Geschichte, Volksmusikforschung usw., die aberauch für Laien auf diesen Gebieten leicht verständlich sind.

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Die ersten beiden Aufsätze zum Thema Ordnungen beschäftigen sich mit Gast und Gastgeber", wobei sich Justin Stagl der Soziologie der Gastfreund-schaft widmet und dazu das Beispiel einer nach strengen gesellschaftlichenKonventionen ablaufenden bürgerlichen Einladung heranzieht. Erika Laza-rova berichtet über das ebenfalls genauen Regeln unterworfene BulgarischeGastmahl.

Einige weitere Beiträge haben das Themen, Nation und staatliche Ord-nung zum Inhalt. Josef Isensee etwa stellt vor dem Hintergrund des wie-dererstarkenden Nationalismus Überlegungen an zu Nation- Demokratie-Verfassung und befaßt sich nicht nur mit Rechtlichen und vorstaatlichenBedingungen des Verfassungsstaates, sondern streift auch historische Ent-wicklungen, die Menschenrechte oder das Problem der Minderheiten. DerSoziologe Alois Hahn geht in seinem Artikel Identität und Nation in Europavor allem auf die Bedeutung des Fremden und die identitätsstiftende Funk-tion des Nationalismus ein, die durch die zunehmende Differenzierung derGesellschaft scheinbar notwendig wird. In einem weiteren Beitrag mit dem TitelGibt es ein europäisches Volk der Europäischen Nation? gibt Isensee Gründedafür an, warum der Wille zu einer europäischen Nation innerhalb der EU, dieer als Zweckgemeinschaft sieht, vorläufig noch nicht gegeben ist.

Unter den Schlagworten ,, Soziale Ordnung und Recht" können die näch-sten Beiträge zusammengefaßt werden. Hierher gehört der gleichnamige,umfassende und fundierte Aufsatz des Rechtsphilosophen Peter Koller, dersich mit den Grundlagen und der Entwicklung der sozialen Ordnung, ihrem