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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
L'Alpe. Nr. 1. Grenoble 1998, 114 Seiten, Abb.
,, L'Alpe" nennt sich eine neue trimestrielle Zeitschrift, die den Kulturen desAlpenraumes gewidmet ist. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, über Sprach-und Nationalgrenzen hinweg die Alpen in ihrer Gesamtheit zum Objekt ihrerÜberlegungen zu machen.
Großformatig, grafisch aufwendig gestaltet und reich bebildert möchtesie ein breites Publikum ansprechen( L'Alpe soll an Zeitungskiosken erhält-lich sein) und gleichzeitig ein hohes wissenschaftliches Niveau in ihrenBeiträgen bieten, die jeweils auf etwa zwei bis vier Seiten beschränkt sindund ohne Anmerkungsapparat auskommen. In seinem Vorwort steckt JeanGuibal, Direktor des Musée Dauphinois in Grenoble, das Terrain ab.,, L'Alpe" soll und will weder die Klischees der ,, verfluchten" oder verzau-berten Bergwelt wiederbeleben noch einem gesamteuropäischen National-park mit unberührter Natur und unverfälschten Traditionen das Wort reden.Die ,, Herkunft" der Autoren soll dies gewährleisten. Neben Universitätspro-fessoren, Ethnologen, Linguisten, Literaturwissenschaftlern, Historikernoder Soziologen kommen auch Schafzüchter, Alpinisten, Museumsleuteoder andere Bergbegeisterte zu Wort. Leider weisen weder das Inhaltsver-zeichnis noch die Zusammenfassungen die Autoren der Beiträge aus. Ineiner Randglosse wird zwar jedem Beitrag eine Kurzbiographie des/ derAutoren zur Seite gestellt, was durchaus interessant ist, jedoch manchmaletwas irritierend, wenn etwa der Autor eines Aufsatzes erst auf der letztenSeite angegeben wird.
Die erste Nummer der Zeitschrift ist den Bewohnern dieses Bergmassivs,das Europa durchzieht, gewidmet. Die reich bebilderten und mit einigenwenigen weiterführenden bibliographischen Referenzen versehenen Artikelsind vielfältig und abwechslungsreich. Sie reichen von einer etymologi-schen Untersuchung zu den Wurzeln der Worte ,, Alm, alpe etc.", über dieBedeutung von Almweiden als Erosionsschutz oder neue Erkenntnisse zurprähistorischen Tierhaltung, bis zur Alphabetisierung der Bergbewohner durchwandernde Lehrer, zu den tiefgreifenden Veränderungen in den Lebensgewohn-heiten in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg oder zu den Marienstatuenauf Berggipfeln. Eine ,, exotische Glossar ::: zum Glossareintrag exotische" Note fügt die Beschreibung nepalesischerScherpas hinzu, jener Träger, die für ein paar Rupien unglaubliche Strapazenauf sich nehmen und deren Leistungsfähigkeit und Ausdauer jene der vielbeachteten und mediatisierten westlichen Bergsteiger in den Schatten stellt. Einlängerer Beitrag von Jean- Claude Duclos ist der Ausstellung des MuséeDauphinois über die Bergbewohner ,,, Gens de l'alpe“, gewidmet.
Ein eigener, farblich abgesetzter, Teil der Zeitschrift berichtet über Aktu-elles im gesamten Alpenraum. Hier finden sich Hinweise zu Tagungen,