Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LIII/ 102, Wien 1999, 129–151
Menschen unterwegs
Themen und Probleme volkskundlicher Migrations- Studien
Burkhart Lauterbach
Migrationsforschung wird von einem breiten Spektrum wis-senschaftlicher Disziplinen, einschließlich der Volkskunde,betrieben. Auch wenn der dazugehörige Terminus noch nichtEinzug in den Diskurs dieses Faches gefunden hat, führt derArtikel vor, daß die Volkskunde zur multidisziplinären Migra-tionsforschung mit genuinen und konkreten Beschreibungenund Analysen beitragen kann, insbesondere zu den fünf For-schungsfeldern: Interethnische Forschung, Flüchtlings- undVertriebenenforschung, Aussiedler- und Spätaussiedlerfor-schung, Arbeitsmigranten- sowie Auswandererforschung.
Migrationsforschung wird betrieben von einem breiten Spektrumwissenschaftlicher Disziplinen, von, wie es Norbert Wenning in sei-ner Überblicksdarstellung formuliert ,,, der Bevölkerungswissen-schaft über die Soziologie, Geographie, Geschichte und Ökonomiebis zur Regionalplanung und von der Psychologie über die Anthro-pologie bis zur Erziehungswissenschaft“. Es fällt bei dieser Ein-schätzung auf, daß weder Ethnologie noch Volkskunde explizit ge-nannt werden, Disziplinen, welche sich selbst auf jeden Fall alsdazugehörig betrachten. Es stellt sich damit zwangsläufig die Aufga-be, den spezifischen Beitrag des eigenen Faches zur offenkundigmultidisziplinären Migrationsforschung herauszuarbeiten. Für denBereich der Ethnologie hat dies jüngst Andreas Ackermann unter-nommen²; für den Bereich der deutschsprachigen Volkskunde werde
1 Wenning, Norbert: Migration in Deutschland. Ein Überblick. Münster, New York1996, S. 16(= Lernen für Europa 3).
2 Ackermann, Andreas: Ethnologische Migrationsforschung: ein Überblick. In:kea. Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Heft 10: Ethnologie der Migration,1997, S. 1-28.