Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LIII/ 102, Wien 1999, 179–190
Mitteilungen
Feierliche Übergabe eines Christleuchters an dasÖsterreichische Museum für Volkskunde
Franz Grieshofer, Renate Bauinger
Am 22. November 1998 fand im Österreichischen Museum für Volkskunde einekleine Feier statt, in deren Mittelpunkt die Übergabe eines NeppendorferChristleuchters stand. Dazu war eine stattliche Abordnung aus Neppendorf/ Tur-nişor in Siebenbürgen/ Rumänien mit dem jungen Pfarrer Dieter Galter an derSpitze in ihren schönen, alten Trachten extra nach Wien gekommen. Auchinzwischen nach Österreich und Deutschland ausgewanderte Landler nahmendie Gelegenheit zu einer Wiederbegegnung mit ihren engsten Verwandten wahr.Die Übergabe des Christleuchters gestaltete sich somit nicht nur zu einerArt Familientreffen der Landler, sondern weckte bei vielen auch wehmütigeReminiszenzen an die Jugendzeit. Außerdem hatte auch der Verein der Ober-österreicher in Wien zur Teilnahme eingeladen. Unter den zahlreich erschiene-nen Mitgliedern bestach die große Zahl der festlich gekleideten Goldhauben-frauen, die der vormittägigen Feierstunde eine besondere Note verliehen. DerObmann der Oberösterreicher, Gen. Dir. Dr. Erich Rainbacher, betonte in seinerGruẞadresse die tiefe Verbundenheit der Oberösterreicher mit den ehemaligenLandsleuten, deren Vorfahren in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wegenihrer Glaubenstreue nach Siebenbürgen deportiert worden waren.
In diesem Zusammenhang ist an das vom Bundesministerium für Wissen-schaft und Forschung finanzierte Forschungsprojekt ,, Spurensuche und Le-benslinien der Landler“ zu erinnern, an dem sich eine große Anzahl sieben-bürgischer und österreichischer Wissenschaftler beteiligte. In 26 Beiträgenmit über 1000 Manuskriptseiten, die gegenwärtig für den Druck vorbereitetwerden, wurde versucht, die Eigenständigkeit landlerischer Kultur innerhalbder Siebenbürger Sachsen in der rumänischen Diaspora zu dokumentieren.Im Rahmen dieses Projektes wurde in Bad Goisern auch ein ,, Landlermu-seum" errichtet. Beide Unternehmen standen unter den Auspizien des Öster-reichischen Museums für Volkskunde, dem als Folge dieses Projektes nichtnur eine größere Kollektion an Objekten aus den drei Landlergemeindenüberantwortet wurde, sondern in dessen Eigentum auch die Sammlung desLandlermuseums im Falle einer Auflösung übergehen soll.