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Mitteilungen
Nochmals: Pro Vita Alpina
Eine Nachbemerkung
Elisabeth und Olaf Bockhorn
ÖZV LIII/ 102
Die uns von Bernhard Tschofen in kollegialer und redaktionell sanktionierterVerbundenheit unterstellte ,, zur Ignoranz gesteigerte Hilflosigkeit“,' die wirbei einer ,, Entgegnung" auf ,, einen Versuch zu einer Theorie der Praxis"gezeigt hätten, hindert uns nicht daran, den Leserinnen und Lesern der ÖZVund der zitierten Beiträge eine kurze Nachbemerkung zur Kenntnis zubringen, wobei wir darauf verzichten, uns verbal auf die Ebene der Tscho-fen'schen Argumentation hinabzubegeben.
1. Was der offensichtlich zur Verteidigung der beiden Autorinnen Gindlund Tauss angetretene Verfasser als besagten„, Versuch einer Theorie derPraxis“ gelesen hat, haben nicht nur wir schlichtweg als Polemik wahrge-nommen und daher entsprechend beantwortet. Wir haben somit keineswegseine ,, Entgegnung“ verfaßt( schließlich sind wir ja nicht angegriffen wor-den), sondern lediglich unser Unbehagen darüber zum Ausdruck gebracht,daß die Arbeit von ,, Pro Vita Alpina“ und Hans Haid nicht analysiert,sondern fachlich wenig fundiert diskriminiert wurde.4
2. Ob die Methode der„, Diskursanalyse" insgesamt für eine kritischeAufarbeitung des genannten Themenkreises geeignet gewesen wäre, vermö-gen wir nicht zu sagen, denn auch der Meinung von methodisch durchausbeschlagenen Kolleginnen zufolge wurde sie nicht bzw. nur unzulänglicheingesetzt.
3. Daß es in der Volkskunde immer schon mehrere ,, Richtungen“ gegebenhat und weiter geben wird, bedarf keiner weiteren Erörterung – und nochweniger einer Rechtfertigung unsererseits, wenn wir unsere Position im undzum Fach darlegen. ,, Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei“ heißt es,lediglich grammatikalisch unrichtig, im Staatsgrundgesetz; Pluralismus istdaher ein wesentlicher Bestandteil dieser ,, Freiheit“, in der Kritik gestattetist sowohl uns als selbstverständlich auch Herrn Tschofen.
4. Daß er sie, wiederum nicht nur unseres Erachtens nach, weitgehend,, an den Haaren herbeigezogen“ im Zusammenhang mit einem Tagungsbe-richt äußert und Inhaltliches nicht einmal streift, mutet allerdings merkwür-dig an. Um Argumente pro und contra ,, Pro Vita Alpina" scheint es ihmjedoch gar nicht gegangen zu sein, sondern zum einen um unsere ,, nicht ebengroße Kenntnis“ der Arbeiten von Foucault und Nora etc., zum anderen umdie von uns betriebene ,, Ausgrenzungsstrategie" gegenüber jenen, die eineandere Position einnehmen als wir.