1999, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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WILDMEISTER, Birgit: Die Bilderwelt der ,, Gartenlaube". Ein Beitragzur Kulturgeschichte des bürgerlichen Lebens in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Würzburg(= Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kultur-geschichte, hg. von Heidrun Alzheimer- Haller, Klaus Reder, Bd. 66), 1998.336 Seiten.
Birgit Wildmeister widmet ihre Untersuchung der Bilderwelt einer deut-schen Zeitschrift, die als ein Prototyp der Familienzeitschriften des 19.Jahrhunderts gilt und die in der Forschung bisher in erster Linie anhand ihrerTexte analysiert wurde. Die von 1853 bis 1944 erschienene ,, Gartenlaube"traf die Bedürfnisse eines breiten bürgerlichen Publikums und erfreute sichdaher großer Popularität. Bis in die Mitte der 1870er Jahre enthielt die,, Gartenlaube" relativ wenige bildliche Darstellungen, sie erlangten jedochzunehmend an Bedeutung, und die Zeitschrift entwickelte sich immer mehrzu einer Illustrierten. Ebenso wie der Name der Schriftstellerin EugenieMarlitt geradezu zum Synonym der ,, Gartenlaube“ wurde, prägten auchheute noch bekannte Maler wie Franz von Defregger oder Hermann Kaul-bach sowie mittlerweile weitgehend vergessene, zu ihrer Zeit jedoch teilwei-se recht populäre Künstler die Zeitschrift. Wildmeister beschäftigt sich inihrer Arbeit mit dem Bildmaterial der„, Gartenlaube“ von ihrem erstmaligenErscheinen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wobei ihr eigentlichesThema die Reproduktionen nach Gemälden oder Zeichnungen- meist Gen-re- oder Historienbilder- meist zeitgenössischer, damals populärer Künstlersind, die als Bildbeigaben in die Zeitschrift eingebunden waren. Die Bilderder ,, Gartenlaube" dienten hauptsächlich der Unterhaltung, sie wollten,, amüsieren, zu Tränen rühren, erschüttern, Mitleid erregen, Sehnsüchte undTräume erfüllen“( S. 69). Aber auch die Belehrung und Berichterstattungspielte eine Rolle. Wildmeister formuliert drei Schwerpunkte, die im Mit-telpunkt ihrer Untersuchung stehen: die Zeitschrift selbst mit ihrer Ge-schichte und Zielsetzung sowie ihren technischen Möglichkeiten der Bild-veröffentlichung, die Künstler und die Bilder. Wildmeister geht davon aus,daẞ sowohl die Künstler als Produzenten, die Zeitschrift als Vermittlungs-organ, wie auch die Ware Bild in ein komplexes, marktwirtschaftlichesSystem eingebunden waren, in dem Angebot und Nachfrage eine große Rollespielten. Dem Publikum der„, Gartenlaube“ ist ein eigenes kleines Kapitelgewidmet.
Jene Bilder der ,, Gartenlaube“, die sich in Varianten häufig wiederholten,wurden von Wildmeister in zehn thematische Gruppen eingeteilt und genau-er analysiert: das bäuerliche Leben, die vornehme Welt, die Künstler, dieFamilie, das Reisen, der Krieg, die Antike, die Religion, die Tiere sowie dieMelancholie bzw. das Erinnern an Vergangenes. Wildmeister versucht, diese