1999, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Folklorno kazalište( Zapisi i tekstovi). Priredio Ivan Lozica[ Folklore- Thea-ter( Aufzeichnungen und Texte). Vorwort Ivan Lozica]. Zagreb, Matica Hrvats-ka, 1996, 438 Seiten, 13 Abb. auf Taf. und im Text. ISBN 953-150-221-8.
LOZICA, Ivan: Hrvatski karnevali[ Kroatischer Karneval]. Zagreb,Golden Marketing, 1997, 263 Seiten, 69 Abb. auf Taf. und im Text, 1 Skizze.ISBN 953-6168-29-4.
Der Verfasser beider Bände ist der internationalen Volksschauspielforschungwohlbekannt und ist bisher mit einer Reihe von Artikeln in kroatischenZeitschriften( Narodna umjetnost, Mogucnosti, Dani hrvatskog kazalista,Croatica u.a.) hervorgetreten, vor allem aber durch seinen Band ,, Izvanteatra. Teatrabilni oblici folklora u Hrvatskoj"( Außerhalb des Theaters.Theaterartige Folklore- Formen bei den Kroaten), Zagreb 1990 als 34. Bandin der Reihe ,, Teatrologijska biblioteka“, redigiert vom bekannten Theater-historiker Nikola Batušić und herausgegeben von der Kroatischen Gesell-schaft der Theaterkritiker und Theaterwissenschaftler. Diese enge Verbin-dung von Volkskunde und Theatergeschichte geht auf das kroatische Renais-sance- und Barocktheater zurück, das auch für das Volksschauspielwesender damaligen und jetzigen Zeit relevant geworden ist, vor allem mit denVolksversionen der„, Robinja“( Sklavin) von Hanibal Lucić, die um 1530auf der Insel Lesina( heute Hvar) bei Ragusa( heute Dubrovnik) aufgeführtworden ist und 1556 in Venedig ediert wurde. Von dieser dreiaktigen Komö-die existiert eine Volksversion von der Insel Pag( mit etwa 150 Versen),vergleichbar den dramatischen Volksversionen der kretischen Renaissance-tragödie ,, Erophile“ von Georgios Chortatsis, von der in Westgriechenlandsieben Versionen aufgezeichnet werden konnten, in einem Umfang von 16bis über 300 Verse( vgl. Puchner, W.: Kretische Renaissance- und Barock-dramatik in Volksaufführungen auf den Sieben Inseln, Österreichische Zeit-schrift für Volkskunde XXX/ 79, 1976, S. 232–242).
Der erste Band stellt eine Sammlung von veröffentlichten und unveröf-fentlichten Aufzeichnungen von Spielhandlungen mit improvisiertem Textdar, wie ihn schon der Nestor der kroatischen Volksschauspielforschung,Nikola Bonifačić Rožin, 1963 vorgelegt hatte( Narodne drame, poslovice izagonetke, Zagreb 1963). Die Wiederveröffentlichung dieser Quellen, diez.T. recht versteckt erschienen sind, ist ebenso willkommen wie die Veröf-fentlichung von Archivmaterial aus dem Institut za etnologiju i folkloristiku,das über bedeutende diesbezügliche Bestände verfügt. Die Darstellungspro-blematik ist bei diesem Material gleich eine mehrfache: Auf eine geographi-sche Angabe oder Zeitbestimmung wurde bei den Einzelkapiteln der Fall-studien verzichtet, was eine gewissen Nivellierung in kulturgeographischerHinsicht bedeutet, umfaßt der heutige kroatische Raum doch zumindest eine