250
Literatur der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
vor, die ,, in allen Phasen der Begräbnisvorbereitung eine Rolle spielten“( S. 222). Sofort nach dem Ableben, im Augenblick, wo der Tote mit demKopf nach Westen postiert wird, wird neben seinen Körper eine Schale mitWeizen gestellt und obendrauf ein Brot mit einer brennenden Kerze. Solltedies nicht in Verbindung zu bringen sein mit der Auferstehungsdynamik desWeizenkorns, das in die Erde eingegraben wird und von alleine wieder ansLicht kommt, um aufs neue das neue Brot zu geben?
Weizen, Hefeteig, Brot- drei Formen und Phasen einer produktiven unddaher auch befruchtenden und lebenspendenden Prozedur, die sich aufideeller Ebene untereinander verbinden als wesentliche Augenblicke desmenschlichen Lebens, wie es die Geburt ist, die Hochzeit, aber auch der Tod,den man in der archaischen Mentalität aber auch im metaphysischen Glau-ben an die Unsterblichkeit nicht nur als Ende gesehen hat, sondern auch alsneuen Anfang( ,, Ein Ende zu machen ist einen Anfang machen“, T. S. Eliot).Michael G. Meraklis
Anmerkung
1 Häufig wird in dem Buch auf die parallelen Fakten aus dem griechischen Raumund die einschlägigen allgemeinen( Megas, Lukatos usw.) oder speziellen Werke( Politis, Aikaterinidis, Defteraios, Puchner usw.) verwiesen. Was den Verweis aufGeorgios Megas' Werk zum griechischen Festzyklus betrifft, so hätte, wie ichglaube, die neueste Ausgabe( mit einigen Zusätzen) von 1988 benützt werdensollen, und nicht die Ausgabe von 1957, die seit vielen Jahren vergriffen ist unddaher von niemandem zu Rate gezogen werden kann.
BRÜCKNER, Wolfgang: Die Wallfahrt zum Kreuzberg in der Rhön(=Kirche, Kunst und Kultur in Franken, Bd. 7). Würzburg 1997, 200 Seiten,Abbildungen.
Häufig und wortreich hat Wolfgang Brückner in den vergangenen Jahren dieKompetenz der Volkskunde beschworen, wenn es um die Behandlung reli-gionsgeschichtlicher Phänomene gegangen ist. Andere Fächer hat er geta-delt, wenn er bei ihnen einen leichtfertigen oder ignoranten Umgang mit derSache geortet hat, und deren Inanspruchnahme des Themas hat er stets scharfkritisiert, wenn sie allzu selbstzufrieden und herablassend gegenüber derVolkskunde vorgetragen wurde. Solcherart hat auch die 1991 im Druckvorgelegte Dissertation von Rebekka Habermas ,, Wallfahrt und Aufruhr“,die mit Ausnahme der rezensierenden Volkskundler von allen Seiten geprie-sen worden ist, seinen Unmut hervorgerufen. In den Bayerischen Blättern