Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
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ÖZV LIII/ 102

Strukturen nachhaltig verändern. Die Autoren schreiben eine Stadtteilge-schichte, die schwierige Stadtteilgeschichte der Südtiroler- Siedlung in Blu-denz, an deren Ausgangspunkt ein großangelegtes Umsiedlungsprogrammin der nationalsozialistischen Sprachregelung die ,, Sondermaßnahme Süd-tirol steht. Zum Thema gemacht sind da die Phasen der Standortsuche ineinem Ort, wo in den 40er Jahren ohnehin Wohnraumknappheit herrschte,aber auch die Enteignungsverfahren, der Einsatz von Kriegsgefangenen, dasStagnieren der Bautätigkeit in den Kriegsjahren. Es ist fast so etwas wie eineunendliche Geschichte der Baumaßnahmen, die da im ersten Teil der Unter-suchung aufgezeichnet wird.

Das zweite Hauptkapitel dagegen befaßt sich mit den Bewohnern derSiedlung, wie sich diese in dem langen Provisorium einrichteten, Bewohner,die übrigens keineswegs immer aus Südtirol stammten, sondern sehr häufigder einheimischen Beamtenschaft angehörten. Das hier zusammengetrage-ne, vielfältige Fotomaterial macht die Lebens-, vor allem anderen auch dieWohnsituation in der Siedlung zwischen den 40er bis hinein in die 60er Jahreanschaulich: als eine visualisierte Sozialgeschichte.

Klara Löffler

KÜHNE, Andreas: Ziegler in Mittelfranken. Arbeits- und Lebensverhält-nisse um 1900 im Spiegel archivalischer Quellen. Passau 1998(= PassauerStudien zur Volkskunde, Bd. 16), 251 Seiten.

In seiner Untersuchung, sie geht auf eine Magisterarbeit zurück, zeichnetAndreas Kühne ein detailreiches Bild von den Arbeitswelten und Lebens-verhältnissen der Ziegler. In der Perspektive einer Alltagsforschung, diezugleich Arbeits- und Migrationsforschung ist, beschreibt er, wie zu Zeiten,da es in der Ziegelfabrikation zu einem Modernisierungsschub kommt, dieseSaisonarbeit in den Ziegeleien organisiert war. Ein weiterer Schwerpunktder Forschungsarbeit liegt auf der Frage nach der Lebenssituation außerhalbder Arbeitszeiten, darauf also, wie sowohl einheimische Ziegler als auchangeworbene Wanderarbeiter auf dem Betriebsgelände lebten, wie sie sicheinrichteten in ihren Schlafstellen auf den Ringöfen, später in neu gebautenArbeiterschlafhäusern.

Auch Einzelheiten dazu, wer wann die Kantine benutzte oder welcheGruppen von Arbeitern es vorzogen, sich selbst zu verpflegen( die nordita-lienischen Wanderarbeiter etwa), wurden in den akribisch geführten, soge-nannten Tagebüchern der Bayerischen Gewerbeaufsicht verzeichnet. Dieeinzelnen Inspektoren nämlich waren verpflichtet, entlang eines bestimmten