Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
263
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1999, Heft 2

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Fragenkataloges ihre Inspektionsfahrten zu dokumentieren und, Wahrneh-mungen über Gesetzwidrigkeiten und Gefährdungen von Leben und Ge-sundheit der Arbeiter( S. 31) zu erfassen. Diese lange Zeit handschriftli-chen Inspektionsberichte( hier eines ausgewählten Regierungsbezirkes überden Zeitraum zwischen 1888 und 1902) sind die empirische GrundlageKühnes. Mit seiner Fallstudie wie auch mit grundsätzlichen Überlegungen zurSpezifik dieser Archivalien macht Kühne auf einen, so beweist er mit seinenErgebnissen, bislang zu Unrecht vernachlässigten Materialkorpus aufmerksam.Klara Löffler

WIRTZ, Rainer( Hg.): Industrialisierung- Ent- Industrialisierung- Mu-sealisierung? Köln 1998(= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte 8),183 Seiten.

Die Autoren und Autorinnen dieses Aufsatzbandes( Historiker, Sozialwis-senschaftler und Volkskundler) diskutieren das Phänomen der Ent- Industria-lisierung an einemgemessen an seiner Bedeutung für die europäischeIndustrialisierungsgeschichte Paradebeispiel, nämlich entlang der Ge-schichte und Situation des Industriestandorts Nordrhein- Westfalen. Ent- In-dustrialisierung wird hier, insbesondere im einführenden Aufsatz von RainerWirtz, weniger als Strukturbruch definiert( wie dies in der veröffentlichtenMeinung so häufig der Fall ist, wenn die Rede auf Zechen- Stillegungenkommt); Ent- Industrialisierung wird vielmehr als Ergebnis eines langfristi-gen Strukturwandels innerhalb makro- ökonomischer Prozesse verstanden.Ulrich Wengenroth verweist mit seiner Darstellung auf diesen engen Konnexzwischen den Industrienationen.

Es sind vor allem Geschichten eines langsamen, zumeist unaufhaltsamenNiedergangs von Betrieben und Industrien, die hier von Jochen Putsch,Sabine Schachtner, Detlef Stender, Stephan Sensen vorgestellt werden. Undes sind unterschiedliche Formen und Strategien im Umgang mit der Ent- In-dustrialisierung, auf die alle Autoren anhand ihrer Detailstudien etwa zurPapierindustrie( Schachtner) oder zum Industriezweig der Schmieden( Putsch) hinweisen: Da gibt es das Oberhausener Modell( Sensen), wo aufdem Gelände einer Zeche die größte Einkaufsmeile des Ruhrgebietes ent-standen ist, da gibt es aber auch den Fall von Solingen( Putsch), wo 1986eine Fabrik geschlossen und einen Monat später als Museum wieder eröffnetwurde. Die Phasen der Ent- Industrialisierung jedenfalls, davon gehen dieAutoren grundsätzlich aus, sind keineswegs abgeschlossen, sondern werdenbis hinein in das dritte Jahrtausend anhalten.

Klara Löffler