Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LIII/ 102, Wien 1999, 337-357
Folklore in der Politik
Am Beispiel der Slowakei
Eva Krekovičová
Im vorliegenden Beitrag versucht die Autorin, die sich auf derpolitischen und ideologischen Ebene vollziehenden Verände-rungen( vor allem in der Beziehung Totalitarismus- Demo-kratie) unter dem Aspekt der Reflexion dieser Änderungen inder Sprache( Slang) der Journalisten, der politischen Kom-mentatoren, bzw. Politiker darzustellen. Die Quellen für denBeitrag stellen die Meinungen dar, die in der Tagespresse, inPeriodika, im Rundfunk und in anderen Massenmedien nachdem Jahr 1989 erschienen sind. Das Wort ,, Folklore" benütztman hier im negativen oder pejorativen Sinne. Es demonstrierteine innere politische Polarisierung der Gesellschaft( europäi-sche gegen traditionalistische, oder zivile gegen nationalisti-sche) und enthält folgende semantische Schichten: 1. politi-sche, 2. national- identifikatorische, 3. ästhetische und künst-lerische, 4. philosophische( Postmoderne). Das Wort ,, Folklore"wird zum linguistischen Stereotyp. Es steht als Indikator politi-scher Veränderungen vom Totalitarismus zur Demokratie.
Einleitung
Veränderungen auf politischer und ideologischer Ebene pflegen miteinem Wandel im Sprachgebrauch von Journalisten und Politikerneinherzugehen und das umso mehr, wenn diese Veränderungen denÜbergang von einem totalitären zu einem demokratischen System zurFolge haben. Im vorliegenden Beitrag soll an konkreten Beispielender Einfluß der neuen politischen Realität in der Slowakei seit demJahre 1989 auf die Sprache der offiziellen Massenmedien dargestelltwerden. Ausgegangen wird dabei von der Tatsache, daß neben ande-ren Phänomenen' auch der Wandel im öffentlichen Sprachgebrauch
1 Zu denken ist hier konkret etwa an die Änderungen in der Struktur und Bedeutungstaatlicher Feiertage und ihrer Symbolik, an die Enthüllung neuer Gedenktafeln