1999, Heft 3
Chronik der Volkskunde
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IV. Internationales Textil- Symposion ,, White Nights" und1. Arbeitstreffen der Arbeitsgruppe ,, Virtual European TextileHeritage Sites' Itineraries"( VETHSI)
Sankt Petersburg, Rußland, vom 24. bis 29. Juni 1999
Die Textilabteilung der staatlichen Akademie für Kunst und Design in St.Petersburg, bzw. die dortselbst beheimatete Gesellschaft für Textildesignveranstaltet seit 1993 in Zweijahres- Abständen das internationale Symposi-on ,, White Nights", bei dem Textilkünstler und-künstlerinnen und Textil-kuratoren aus aller Welt Erfahrungen austauschen.' In das Programm desdiesjährigen, des vierten derartigen Symposions war das erste Arbeitstreffender Teilnehmer am EU- Programm Raphael 1999, Action III. 1 ,,, VirtualEuropean Textile Heritage Sites Itineraries“( VETHSI) eingebunden, andem sich das Österreichische Museum für Volkskunde beteiligt.
An den Schlagworten Vernetzung, Internationalisierung, und der sie imBanner führenden EU- Kulturpolitik führt derzeit für österreichische Kultur-institutionen kein Weg vorbei. Staatliche Stellen beklagen ständig das man-gelnde Interesse heimischer Kulturverantwortlicher an transnationalen Kul-tur- und Kunstförderprogrammen. Die Ideologie einer gemeinsamen euro-päischen Kultur existiert offensichtlich mehr in den Köpfen integrationswil-liger nationaler Politiker als Wunschvorstellung zur Harmonisierung undGlättung der Ecken und Kanten der wirtschaftlichen Vereinigung als in denKöpfen derer, die sie real tragen sollen. Auch im Fach Volkskunde wird dasAdjektiv europäisch mehr eingefordert als tatsächlich erfüllt. Und wennversucht wird, es zu erfüllen, wie im gerade zum Museum EuropäischerKulturen mutierten Berliner Volkskundemuseum, so werden diese Bemü-hungen von Journalisten sofort wieder als vorauseilender Gehorsam einesfür politische Legitimationszwecke ach so geeigneten und anfälligen Fachesgewertet. Nicht der Hinweis auf politische Konnotationen an sich ist es, derverärgert, aber der herablassende, anklagende Tonfall, in dem er formuliertwird.
Dies jedoch nur nebenbei, denn grundsätzlich gibt es keinen Zweifeldaran, daß unser Bemühen und unser Interesse der Untersuchung einesKulturerbes, das von den Konvergenzen und Divergenzen einer gemeinsa-men europäischen Geschichte getragen ist, gilt, und dieses auf vielfältigeWeise transparent zu machen, unsere spannende Aufgabe ist. Seit Mitte der80er Jahre laufen verschiedene Pilotprogramme der Europäischen Union zurKultur- und Kunstförderung. Mit der Implementierung eines eigenen Kul-turartikels in den Maastrichter Unionsvertrag von 1992 erhielt die Integra-tion gesellschaftspolitischer Felder wie Wissenschaft, Bildung und Kultur