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Chronik der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
,, Konvergenzen und Divergenzen.
Gegenwärtige volkskundliche Forschungsansätze in Österreichund Ungarn❝
Budapest, 3. Juli 1999
Der Studientag ,, Konvergenzen und Divergenzen“ wurde vom Institut fürEthnologie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, der AußenstelleBudapest des Österreichischen Ost- und Südosteuropa- Institutes sowie derGesellschaft für pannonische Forschung„, Ethnographia PannonicaAustriaca" veranstaltet.
Die Vereinigung ,, Ethnographia Pannonica“, die aus Mitgliedern ausKroatien, Slowenien, Ungarn, der Slowakei und Österreich besteht, wurde1971 mit dem Ziel ins Leben gerufen, die vielfältigen, über Jahrhundertegewachsenen kulturellen Beziehungen und Zusammenhänge zwischenÖsterreich und den benachbarten Ländern jenseits des Eisernen Vorhangsfür die Volkskunde wiederum zugänglich zu machen. Es wurde dadurch einpraktikabler Weg gefunden, über politische Grenzen hinweg internationaleForschungen und Diskussionsforen zu institutionalisieren und einen überJahre weitgehend ins Stocken geratenen wissenschaftlichen Austausch wie-derum zu ermöglichen. Mit der Öffnung der politischen Grenzen und derEingliederung der ehemals kommunistischen Länder in ein westlich- kapita-listisches System kam jedoch die Zusammenarbeit ins Stocken, der Wegfalldes Eisernen Vorhangs führte nicht zu einer Vertiefung der Zusammenarbeit,sondern bewirkte das Gegenteil. Die in Österreich vereinsrechtlich konstituierte,, Ethnographia Pannonica Austriaca“ kam in die Krise, von der institutionali-sierten Zusammenarbeit blieben nur persönliche Kontakte übrig.
Nun wurde von Volkskundlern aus Wien und Budapest ein neuer Anfangim wissenschaftlichen Austausch gesetzt, initiiert durch persönliche Kon-takte( Clemens Prinz, Béla Rásky). Programmatisch war der Titel der eintä-gigen Zusammenkunft. Es ging darum ,,, Konvergenzen und Divergenzen"in der gegenwärtigen Forschung der beiden Länder zu diskutieren, als eineArt Bilanz der Entwicklung der letzten zehn Jahre. Dazu wurde die Simulationdes Parallelslaloms versucht, jeweils zwei Referate zu einem ähnlichen Themasollten aufzeigen, welche Strömungen und Forschungstendenzen derzeit inÖsterreich und Ungarn den Stand der Wissenschaft markieren. Natürlich ist einederartige Versuchsanordnung mit jeweils vier Fallbeispielen nicht repräsentativ,kann nur ein kleines Segment der vielfältigen Forschungsansätze darstellen,dennoch, als Eröffnung eines für die Zukunft angestrebten intensiveren Dialogswar sie durchaus brauchbar. Zumal man sehen und hören konnte, sowohl beiden Referaten als auch bei informellen Gesprächen, daß keinesfalls rigidabzugrenzende nationale Schulen festzumachen sind.