Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LIII/ 102

nicht schafften, die zeitliche Begrenzung ihrer Redezeit einzuhalten. Dadurchkam die Schlußdiskussion leider zu kurz und reduzierte sich auf eine beidersei-tige Bekundung des Willens, derartige Veranstaltungen in Zukunft öfters abzu-halten und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu intensivieren.

Dennoch: mit diesem insgesamt anregenden Workshop wurde ein Anfanggemacht, der zur Hoffnung Anlaß gibt, daß es über Willensbeteuerungenhinaus zu den beiderseits gewünschten Kooperationen kommen kann.Wolfgang Slapansky

Der Neue Mensch

Obsessionen des 20. Jahrhunderts

Zur Ausstellung im Deutschen Hygiene- Museum Dresden,22. April bis 8. August 1999

Als 1912 das Deutsche Hygiene- Museum gegründet wurde, war es als,, Museum vom Menschen konzipiert. Das Bedürfnis nach Erneuerung desMenschen, nach einer Reform des Lebens und einer Formung des Körpers,war eine Reaktion auf die Massengesellschaft, die sich mit der Industriali-sierung entwickelt hatte. Überbevölkerung in den Großstädten und diedaraus resultierenden sozialen, hygienischen und medizinischen Miẞständeerforderten grundlegende Verbesserungen. Das Deutsche Hygiene- Museum,eine Hervorbringung des Projekts der Moderne, konfrontierte eine Epochemit sich selbst. In diesem, Tempel der Gesundheit sollten sich die um ihrGleichgewicht gebrachten Lebensentwürfe neu bestimmen und die Gesun-dung des Menschen fördern lassen. Nichts, so verdeutlicht es die Sammlungdieses Hauses, hat die Menschen so sehr fasziniert, wie die Idee, denMenschen selbst zu verändern, ihn besser und letztlich vollkommen zumachen. Woher stammt diese ,, Obsession des 20. Jahrhunderts?" DieseFrage nimmt die Ausstellung zum Ausgangspunkt ihrer Erzählung.

Zur Verwirklichung des Vorhabens waren 3 Millionen Mark an Sachlei-stungen notwendig, ein Viertel davon hat die Kulturstiftung der DeutschenBank übernommen. Zusätzliche Fördermittel wurden auch von der Kultur-stiftung der Länder und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen bereitge-stellt. Der ,, mdr konnte als Medienpartner gewonnen werden und unter-stützt die Ausstellung durch ein Begleitprogramm in Radio und Fernsehen.Neben Objekten aus eigenen Beständen wurden rund eintausend Leihgabenaus über hundertsiebzig Museen, Archiven und Privatsammlungen zusam-mengetragen.