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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
die Assoziation des Tanzens, nicht die des Bettelns. Trotz dieser persönlichenVerstörung meinerseits ist der vorliegende Sammelband mit seinen vielfäl-tigen Ansatzpunkten und Blickwinkeln ein vorbildliches Beispiel dafür, wieregionale Gesellschaftspolitik und ihre Auswirkungen auf Minderheitenaufgearbeitet werden kann.
Ursula Hemetek
KREKOVIČOVÁ, Eva: Zwischen Toleranz und Barrieren. Das Bild derZigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner und Juden in der slowakischen Folklore.(= Studien zur Tsigano-logie Glossar ::: zum Glossareintrag logie und Folkloristik, Band 21). Frankfurt am Main, Peter Lang Verlag,1998, 317 Seiten.
Der Ausländerzustrom in die hochentwickelten Industriestaaten Europas,verursacht durch Arbeits-, Kriegs- und politische Migration im letztenJahrhundert, konfrontiert die sich einigende Staatengemeinschaft mit einerVielzahl wichtiger wirtschaftlicher, politischer und sozialer Fragen, ihreBevölkerung wiederum mit einer sich rasch wandelnden Qualität des All-tagslebens. Die Unterschiede zwischen den rassischen, ethnischen und reli-giösen Gruppen und ihre jeweilige Unkenntnis voneinander stellen Barrie-ren in der Kommunikation dar und rufen Probleme hervor. Ihre Angehörigenbewerten sich gegenseitig nach den wenigen zur Verfügung stehenden In-formationen. Statt dem langwierigen und unangenehmen Sich- Kennenler-nen über eine Vielzahl von Barrieren hinweg versteifen sie sich auf eineentschiedene Haltung und auf das vereinfachte Bild des ,, Anderen" in demBemühen, sich mit dessen Existenz ,, abzufinden" und so- obwohl dieBarrieren nicht verschwinden- gewisse Voraussetzungen für die Koexistenzzu schaffen. Die Menschen wollen auch heute irgenwohin/ zu irgendjemandgehören und überzeugen sich selbst, daß sie besser, moralischer, schöner,sauberer, arbeitsamer, zivilisierter sind... als die anderen.
Die Sozialwissenschaften betrachten den Prozeß, in dem die Handlungender Menschen dank ihren ,, eingebürgerten“ Haltungen zueinander vorher-sagbar wird, als denjenigen, der primär das gesellschaftliche Leben ermög-licht. Die Schaffung von Stereotypen als vereinfachte, emotional aufgelade-ne Bilder ihrer Selbst und der anderen, die beständig sind gegen eineempirische Falsifikation, betrachten sie sogar als anthropologische Konstan-te, ein Phänomen, so alt wie die Existenz des Menschen selbst in derGesellschaft, das untersucht werden muß.
Eine der Ursachen des wachsenden Interesses an der wissenschaftlichenReflektion dieser Fragen dürfte auch die Tatsache sein, daß die Gesellschaft