1999, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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1911 Kein Wunder, daß sich zwei Generationen später der Mythos vomsanften Tourismus entwickelte und als begleitende Literatur die alternativenReiseführer hervorbrachte. Doch diese sind so wenig besser oder schlechterals ihre klassischen sternchengezierten Vorgänger wie sich letztlich ,, Travel-ler" von ,, gewöhnlichen“ Touristen unterscheiden. Teil vier bietet eineÜberleitung von der Theorie zur Praxis. Die mit Zitaten reichlich verseheneInhaltsanalyse, das Kernstück der Arbeit, bildet das abschließende Kapitel.An Petra Bockhorns Buch ist einiges bemerkenswert: zum einen dasCrossover der Disziplinen, weiters ein klarer Blick für( Fehl-) Entwicklun-gen im Städte- Marketing und schließlich einige konkrete Anregungen, wieWien- Information für Gäste abseits von Lipizzanern, Sängerknaben undHeurigen aussehen könnte.
Helga Maria Wolf
KARMASIN, Helene: Die geheime Botschaft unserer Speisen. Was Essenüber uns aussagt. München, Verlag Antje Kunstmann, 1999, 295 Seiten,Abb.
Helene Karmasin, Leiterin des Instituts für Motivforschung in Wien, be-schreibt in diesem Buch die Küche als Kommunikationssystem: ,, Essen,Ernährung, Küche sind eng in das persönliche und soziale Leben vonMenschen einbezogen, und sie haben vielfältige kommunikative und sym-bolische Aspekte.(...) Wir wählen und kombinieren Nahrungsmittel so, daßsie diese Botschaften und Bedeutungen vermitteln können. Wir setzen dieKüche also in der Art einer Sprache ein, als ein Kommunikations- undZeichensystem, das wir benützen, um Botschaften auszutauschen.“( S. 10 f.)In der Einleitung liefert die Autorin Theoretisches zur Küche als Kommuni-kationssystem, das erste Kapitel ist den Bedeutungen einzelner Nahrungs-mittel, Kochmethoden und Bestandteile einer Mahlzeit gewidmet, das zwei-te Kapitel handelt von verschiedenen Küchenstilen und im dritten undletzten Kapitel werden die Botschaften der Nahrungsmittel- Werbung analy-siert.
Auch wenn Karmasin in der Einleitung behauptet, daß die Küche seltenals bedeutungsvermittelndes System betrachtet werde, ist dieser Zugang zurErnährung natürlich nicht neu und nicht ungewöhnlich, wie jede/ r weiß,die/ der sich mit Eẞkultur beschäftigt oder auch nur etwas genauere biblio-graphische Recherchen betrieben hat als die Autorin der vorliegenden Un-tersuchung. Gerade in den letzten Jahren ließ sich wieder ein verstärktesInteresse der Kulturwissenschaften an der Ernährung feststellen und zahllo-