Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
527
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LIII/ 102, Wien 1999, 527-544

Chronik der Volkskunde

Sinn und Unsinn des Museums

Fragen zum Selbstverständnis des Museums am Endedes 20. Jahrhunderts

11. Österreichischer Museumstag, Wien, 7.- 9. Oktober 1999

,, Sinn und Unsinn des Museums. Fragen zum Selbstverständnis des Muse-ums am Ende des 20. Jahrhunderts"- unter diesem Titel fand im Kunsthi-storischen Museum( KHM) in Wien der 11. Museumstag in Folge statt.Generaldirektor Wilfried Seipel begrüßte in seiner Eigenschaft als Hausherrdie Tagungsteilnehmerinnen und-teilnehmer und stellte eingangs program-matisch fest, daß über Probleme zu reden immer sinnvoll sei, auch wennLösungen mitunter nicht gleich gefunden würden. Anschließend begrüßteGünther Dembski, der Präsident von ICOM- Österreich, die Anwesenden,und Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer eröffnete den Museumstag. Inihrer Rede ortete sie die Aufgaben der Museen im nächsten Jahrtausend imBereich der Identitätsstiftung, indem sie für Vergangenes festhalten,Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum pflegen und Sinn stiften plädierte.

Der Eröffnungsvortrag von Thomas Zaunschirm, Universität Essen, griffdas Motto der Tagung auf, nämlich ,, Sinn und Unsinn des Museums". In den80er Jahren sei der Museumsbegriff ausgeweitet worden. Für Zaunschirmhat das ,, Museum als ein normativer Begriff ausgedient. Jeder Ort könnemuseal genutzt werden und sinnstiftend wirken. Zaunschirm betonte, aufeine Aussage Seipels bezugnehmend, daß auch die populär gewordeneErlebniskomponente im Museum eine sinnvolle Erweiterung im Angebotbzw. im Museumsmanagement sei. Er schloß seinen Vortrag mit der Forde-rung, neue Ideen und gesellschaftliche Veränderungen in Museumskonzeptezu integrieren und nicht an überkommenen Strukturen festzuhalten.

Im Gegensatz zu Zaunschirms Ausführungen sprach sich Wilfried Seipelin seinem Vortrag ,, Zeitenwende- Museumswende?" gegen eine Neudefini-tion des Begriffs Museum aus und forderte eine Konfrontation des Besu-chers mit dem Original ein, welches die Aura des Objekts spürbar werdenließe. Er plädierte für eine elitäre Position des Museums, wobei auf dieWünsche des Publikums nur begrenzt eingegangen werden sollte. Für ihnhaben Originale unbedingten Stellenwert, eine ,, Entauratisierung des Muse-ums" müsse in jedem Fall vermieden werden. Im Merchandising sieht Seipel